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Großleitstelle Viele Notrufe im Oldenburger Land erfolgen ohne echte Not

Von Thomas Breuer | 03.03.2016, 15:27 Uhr

Delmenhorst/Landkreis Oldenburg/Oldenburg. „Notruf Rettungsdienst. Wo genau ist der Einsatzort?“ Mit diesen Worten sind in der Großleitstelle Oldenburger Land (GOL) in Oldenburg im vergangenen Jahr mehr als 236.000 Anrufe entgegengenommen worden.

Daraus resultierten 2015 fast 6400 Brandeinsätze und Hilfeleistungen, mehr als 43.000 Krankentransporte und 66.500 Notarzt- und Notfallrettungseinsätze.

„Der Bürger wird immer hilfloser“

Bleiben 120.000 Notrufe, die von der GOL unter „sonstige“ verbucht wurde – und oft nicht auf Notlagen im eigentlichen Sinne basierten. „Der Bürger wird immer hilfloser“, sagte GOL-Geschäftsführer Frank Leenderts am Donnerstag vor der Presse in Oldenburg und nannte Beispiele. Wenn etwa der Müll nicht abgeholt wurde und keine Behörde zu erreichen sei, werde schon mal die 112 gewählt. Ebenso, wenn jemand nicht weiter wisse, nachdem ihm ein Farbeimer auf der Einfahrt ausgekippt sei. Aber auch die Fälle, in denen Erkältungskrankheiten am Wochenende etwas schlimmer würden und lediglich eine Weiterleitung an den kassenärztlichen Notdienst erfolgen muss, beschäftigten die Disponenten in der GOL.

Kritik an wachsendem Anspruchdenken

„Wir müssen Sorge dafür tragen, für die richtigen Notfälle gewappnet zu sein“, stellte Leenderts heraus. Bei vielen der genannten Anrufe werde zwar ein Ratschlag gegeben, aber auch darauf hingewiesen, dass eine Notrufleitung blockiert wird. „Das Anspruchsdenken steigert sich unaufhörlich“, kritisierte der GOL-Chef.

Anrufaufkommen dürfte sich weiter steigern

Dabei müsse schon so davon ausgegangen werden, dass die Zahl der echten Notfälle wegen des demografischen Wandels in den kommenden Jahren steigt. Alle Anrufe zusammengenommen, hat sich das Einsatzaufkommen laut Leenderts für die GOL-Mitarbeiter 2015 um 5,3 Prozent erhöht. Für kommende Jahre geht er von Steigerungsraten von bis zu acht Prozent aus. Viele echte Notrufe kämen von Menschen über 75 Jahren.