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Grünkohl wegen Beregnung teurer Kohlfahrtpreise in Ganderkesee ziehen an

Von Marie Busse | 18.10.2018, 10:11 Uhr

Eine schlechte Grünkohlernte durch die Dürre, aber auch steigende Personalkosten durch den Mindestlohn treiben den Preis der Kohlfahrten in die Höhe. Dennoch sind schon viele Reservierungen bei den örtlichen Gastronomen eingegangen.

Der heiße Sommer hat Auswirkungen auf den Grünkohl – und damit auch auf den Preis für Kohlfahrten. Grund ist die lange Trockenheit: „Wer keine Möglichkeit hatte, zu bewässern, der hat Pech gehabt“, sagt Friederike Herberg, Beraterin für Gemüseanbau bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Die Ernte des frühen Kohls sei schlechter ausgefallen. Auf Ernte des späteren Grünkohls blickt Herberg aber optimistisch. Auch Ludger Niemann, Betriebsleiter bei dem Tiefkühlgemüseproduzenten Elo-Frost aus Vechta-Langförden, beurteilt die jetzige Ernte positiv: „Es steht gute Qualität auf den Feldern.“ Die Beregnung sei aber deutlich teurer gewesen, als in durchschnittlichen Jahren. Auf dem freien Markt könne der Preis für das Gemüse daher steigen.

Kohlfahrten werden teurer

Viele Ganderkeseer Gastronomen heben die Preise für den Grünkohl daher an. Beim Gasthof Menkens kostet die Kohlfahrt im kommenden Jahr zwei Euro mehr, also 54 Euro. „Da wirken viele Faktoren: höhere Personal- und Betriebskosten, aber eben auch höhere Preise für den Grünkohl“, erklärt Gastwirt Gerd Menkens. Das Kohlessen wird um 70 Cent teurer und kostet jetzt 20 Euro. Falls es zu wenig Grünkohl gibt, rechnet Menkens damit, weniger Gäste anzunehmen. „Das wäre der schlimmste Fall“, sagt er.

Auch bei Ibrahim Celik vom Gasthof „Schwarzes Ross“ in Bookholzberg haben Lieferanten schon auf die Knappheit des Grünkohls hingewiesen. „Das betrifft aber alle Gemüsesorten“, stellt er klar. Die Kohlfahrten in seinem Lokal werden ebenfalls teurer: Eine Fahrt kostet nun 49 Euro. Celik sagt: „Das ist ein Euro mehr als im vergangenen Jahr.“ Das habe mit der allgemeinen Preissteigerung zu tun. Das Gasthaus „Zur Linde“ in Gruppenbühren hebt in diesem Jahr ebenfalls die Preise an: „Ich glaube, dass die schlechte Ernte auch auf uns Auswirkungen hat“, sagt Gastwirt Olaf Sievers.

Backenköhler hebt Preise nicht an

Keine Engpässe befürchtet indes Cerstin Vosteen vom Hotel und Restaurant Backenköhler. In ihrem Lokal feiern ab Januar mehrere tausend Menschen bei acht Kohlfahrten. Eine Fahrt kostet weiter 54 Euro pro Person. „Wir sehen da keine Schwierigkeiten bei unseren Lieferanten, wir kaufen viel Grünkohl vorweg“, sagt Vosteen. Abseits des Großmarktes könnte es allerdings eng werden, gibt sie zu. Viele Firmen hätten daher in diesem Jahr besonders früh eine Kohlfahrt reserviert. In ihrem Lokal wird bereits Grünkohl serviert. „Auf den ersten Frost, nachdem der Grünkohl ansteht, können wir lange warten“, sagt sie. Eine Entwicklung, von der Sie glaubt, dass sie anhält. Vosteen sagt: „Wir müssen mehr für die Umwelt tun.“

Viele Anmeldungen

Trotz steigender Preise, sind die Gastronomen mit der Zahl der Anmeldungen bislang zufrieden. Die Mischung zwischen Kohlfahrten, Grünkohl à la carte und das Grünkohlessen in gemütlicher Runde komme gut an. „Unsere Partys im kommenden Jahr sind fast ausgebucht“, sagt Ibrahim Celik. Gerd Menkens kann ebenfalls auf eine lange Reservierungsliste blicken. Und auch bei Backenköhler gehen täglich Anmeldungen ein. „Das Telefon steht nicht still.“