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Grundschule Schierbrok Schulleiterin Goetz wehrt Elternkritik ab

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 18.01.2018, 18:50 Uhr

Klassenelternsprecher Ibrahim sieht die Schule Schierbrok in organisatorischer Schieflage. Schulleiterin Goetz stuft das als „subjektive Wahrnehmung“ ein.

Tilman Ibrahim erinnert sich an vier schöne Jahre an der Grundschule Schierbrok. Guten Gewissens hat er deshalb seine Tochter dort angemeldet. Nach eineinhalb Schuljahren fragt er sich, ob die Wahl so gut war wie erhofft. „Die Schule könnte viel besser sein, wenn klarere Strukturen eingezogen würden“, ist der Elternsprecher einer 2. Klasse überzeugt. Gaby Goetz, vor einem halben Jahr auf den Schulleiterposten in Schierbrok gewechselt, sieht ihren neuen Wirkungskreis dagegen organisatorisch gut aufgestellt.

Vielgestaltigen Schulhof im Blick

Goetz kommt von der Marienschule in Delmenhorst mit ihrem rechteckigen, zugepflasterten Schulhof. „Die Schule hier ist dagegen wunderschön gelegen“, sagt sie. Ibrahim bezweifelt allerdings, dass die Pausenaufsicht auf dem Areal mit mehreren Gebäuden und Aufenthaltsbereichen im Freien und mit vier Zugängen genug Sicherheit verschafft. „Eine Aufsichtsperson sehe ich fast nie“, berichtet der Vater. „Das ist eine subjektive Wahrnehmung“, hält Goetz dagegen. Sie weist auf die Stecktafel im Lehrerzimmer mit lückenloser Planung. „Zwei Personen kreisen ständig über vorgegebene Bereiche“, erläutert sie, „das ist mehr Aufwand als an anderen Schulen.“ Die Idee, dass sich die Aufsichtspersonen Westen mit reflektierendem Aufdruck überstreifen, sei schon vor ihrem Antritt in Schierbrok geboren. „Das hilft vor allem den Kleineren, die noch nicht alle Lehrer kennen“, sagt Goetz. „Trotzdem kommen immer wieder Kinder in mein Zmmmer gestürzt, um vom Erlebten zu berichten. So sind Kinder eben“, ergänzt sie.

Extra-Stoff für Mitarbeiter

Energisch widerspricht die Schulleiterin der Aussage des Klassenelternsprechers, die Hälfte des Unterrichts werde von pädagogischen Mitarbeitern erteilt. „Für die Zahl der Lehrkräfte und der pädagogischen Mitarbeiter gibt es einen vorgegebenen Schlüssel, und den halten wir ein,“, stellt Goetz klar. Pädagogische Mitarbeiter übernähmen Unterricht bei kurzfristigen Personalausfällen. „Wir sind eine verlässliche Grundschule, es darf kein Unterricht ausfallen“, so Goetz. Ibrahim bestätigt ihre Aussage, dass den pädagogischen Mitarbeitern in solchen Fällen ein Plan mit vorbereitetem Unterrichtsstoff mitgegeben wird.

Vater befürchtet nächsten Knall

Fernab vom Optimum ist für Ibrahims Tochter und die Klassenkameraden der Schulstart hinsichtlich der Klassenleitung. Nacheinander haben die beiden ersten Klassenlehrerinnen den Schuldienst wegen Schwangerschaft unterbrochen. Kurzfristig und vorübergehend hat eine aus Ganderkesee abgeordnete Lehrerin die Klassenleitung übernommen, bis Klassenlehrerin Nummer vier folgte. „Jetzt läuft alles ordentlich. Aber wir warten auf den nächsten Knall“, sagt Ibrahim.

Hohe Frauenquote die Regel

„Wir haben ein junges, engagiertes Team. Alles Frauen, das ist an Grundschulen fast die Regel. In der Familienplanung von Frauen um die 30, da steckt man nicht drin“, so Goetze. „Andere Schulen haben Kollegien mit viel höherem Altersdurchschnitt. Da gibt es langfristige Ausfälle aus ganz anderen Gründen“, sagt sie. Die Grundschulen würden von der Politik stiefmütterlich behandelt. „Deshalb studieren viel zu wenig junge Leute aufs Grundschullehramt.“ Daraus resultiere auch, dass die vom Land gestellten Aushilfskräfte einen Hochschulabschluss, aber keine pädagogische Qualifikation mitbrächten. „Die Verantwortlichen sitzen in Hannover“, sagt Goetz.