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Grundschulen in Ganderkesee Erziehungsberatung und Kummerkasten

Von Bettina Dogs-Prößler | 06.06.2018, 20:19 Uhr

Sozialarbeiter an Ganderkeseer Grundschulen fangen auf, was Lehrer im Schulalltag nicht leisten können. Sie schauen hinter die Kulissen und bieten Hilfe an – bei Eltern, Kindern und Lehrern.

1981, beim Neubau der Grundschule in Bookholzberg, hat niemand daran gedacht, dass Schulen einmal einen Raum für Sozialarbeiter einplanen werden. „Noch vor zehn Jahren“, sagte Schulleiterin Dörte Lohrenz neulich bei einem Festakt, „seien Sozialpädagogen an Grundschulen undenkbar gewesen.“

Vier Sozialarbeiter in der Gemeinde

Seit dreieinhalb Jahren sieht die Welt an den Ganderkeseer Grundschulen anders aus. Anfang 2015 hat die Gemeinde für alle sechs Einrichtungen Sozialarbeiter eingestellt, die die Lehrer entlasten und die Kinder unterstützen sollen. Vier Kollegen sind es derzeit, „und alle haben kräftig zu tun“, wie Dörte Lohrenz, Vorsitzende des Ganderkeseer Schulverbundes, weiß.

„Keine Brennpunktschule“

Von alarmierenden Zuständen wie sie zum Teil aus Großstädten berichtet werden, ist Ganderkesee dabei weit entfernt. „Eine Brennpunktschule gibt es bei uns nicht“, so Lohrenz. Trotzdem gibt es vieles, was Erst- und Viertklässlern zu schaffen macht –und was Lehrer in dem straff getakteten Lehrplan kaum auffangen können. „Trennungen der Eltern etwa sind ein großes Thema“, schildert Lohrenz. Bei solch einschneidenden Veränderungen waren Kinder vor wenigen Jahren noch auf sich allein gestellt. Die Noten wurden schlagartig schlechter, das Verhalten auffällig. Eine Anlaufstelle zum Reden hatten sie meistens nicht.

„In solchen Fällen zeigen wir den Kindern Wege wie sie mit ihrer Trauer und ihren Ängsten und Sorgen umgehen können“, sagt Sandra Hövel, Sozialarbeiterin an der Grundschule in Bookholzberg. „Oder wir hören ihnen einfach nur zu.“ Was die Mädchen und Jungen ihnen dabei anvertrauen, behalten die Pädagogen für sich. „Wir sind Vertrauenspersonen, die Zeit für sie haben, losgelöst von Lehrern und Eltern.“

Enge Zusammenarbeit mit Jugendamt

Denn auch auf dem Dorf ist nicht immer alles nur friedlich. Gewalt in Familien, sexuellen Missbrauch, psychisch kranke Eltern oder Alkohol- und Drogensucht gibt es auch in kleinen Landgemeinden. „Früher ist unsere Gesellschaft nur anders damit umgegangen, heute ist alles viel transparenter“, schildert Höfel. Was im schulischen Bereich bedeutet: Wird ein Kind verhaltensauffällig und verweigert das Lernen, zieht es sich in sich zurück oder wird gewalttätig, schauen Lehrer und Pädagogen nach den Ursachen. „Diese Verbindung wurde früher nicht hergestellt.“ Eng arbeiten die Sozialarbeiter an den Schulen auch mit dem Jugendamt zusammen – denn bei Anzeichen von Gewalt oder Missbrauch etwa sind sie gezwungen zu handeln.

Doch auch den Lehrern sind die schulischen Sozialarbeiter eine große Stütze. „Bei schwierigen Elterngesprächen holen wir sie mit dazu oder holen uns Rat, wie wir in bestimmten Situationen mit den Kindern umgehen sollen“, sagt Dörte Lohrenz. Manchmal bräuchten Eltern auch Unterstützung in der Erziehung und wüssten nicht, welche Angebote es im Umkreis gebe. Sandra Höfel: „Auch da helfen wir weiter.“

Bei den Kindern setzen die Grundschulpädagogen auch viel auf Prävention. Mithilfe von Sozialtrainings und Projekttagen lernen sie sich abzugrenzen oder Rücksicht zu nehmen, ihre Rechte kennen und Gefahren zu vermeiden. Offenbar mit Erfolg: „Mobbing spielt bei uns nur ein untergeordnetes Thema.“