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Gymnasien sollen in Gefahr sein CDU Ganderkesee nimmt Schulgesetz unter Beschuss

Von Thorsten Konkel | 22.07.2015, 19:38 Uhr

Zur Diskussion über das neue Niedersächsische Schulgesetz hat die CDU-Ortsunion Süd in Ganderkesee am Dienstagabend eingeladen.

Eine „glatte Sechs“, diese vernichtende Note hat der CDU-Landtagsabgeordnete und Schulpolitische Sprecher seiner Fraktion, Kai Seefried, am Dienstagabend den Machern des am 1. August inkrafttretenden Niedersächsischen Schulgesetzes erteilt.

Parforceritt durch breites Themenfeld

Zum Dialog mit dem Schulexperten hatte Ralf Wessel, Chef der CDU-Ortsunion Süd ins Airfield-Restaurant eingeladen. Unmittelbar vor den Sommerferien war das Interesse an der vielschichtigen Thematik offenbar noch gering. Keine 20 Zuhörer verfolgten See-frieds inhaltlichen „Parforceritt“ von der frühkindlichen Bildung über Grund- und Förderschulen bis hin zur Debatte um Abitur und duales Ausbildungssystem.

Sorge um Förderschulen und Gymnasien

Schwerpunkt der Abrechnung mit der Bildungspolitik der rot-grünen Landesregierung war neben den Förderschulen vor allem die Situation der Gymnasien.

Ruhe statt Strukturreform

Nach den Sommerferien stelle das von der Koalition erst im vergangenen Monat verabschiedete Gesetz vor allem die Gymnasien vor kaum zu meisternde Herausforderungen. Denn das Reformvorhaben schraube lediglich an den Strukturen, dabei benötigten die Gymnasien nach dem Hin und Her von Abitur nach acht oder neun Jahren jetzt vor allen eines: „Die Ruhe zur Umsetzung; Finger weg von den Gymnasien“, mahnte Seefried. Daran sei angesichts der Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren sowie des Urteils des Oberverwaltungsgerichts zur Lehrermehrarbeit nicht zu denken:

Lehrermangel

„Nachdem das Gericht der Mehrarbeit eine Absage erteilt hat, fehlen zunächst 750 Vollzeitstellen für Gymnasiallehrer, wie sollen diese innerhalb weniger Wochen besetzt werden?“, fragte er. Der Markt sei längst abgegrast. „Wir können nicht am 1. August bei 100 Prozent Lehrerversorgung sein, das ginge zu lasten der Qualität“ pflichtete ihm die unter den Zuhörern anwesende Leiterin des Gymnasiums Ganderkesee, Dr. Renate Richter, bei. Leistungsstarke, so Seefrieds Forderung, sollten auch weiterhin nach acht Jahren ihre Hochschulreife erlangen können. In Niedersachsen gebe es keine Wahlfreiheit. Neben der unsicheren Unterrichtsversorgung drohe den Gymnasien vor allem von den Gesamtschulen Gefahr.

Angst vor Gesamtschulen

„Gesamtschulen können künftig weiterführende Schulformen ersetzen“, warnte er. Dazu gab der schulpolitische Sprecher der CDU-Kreistagsfraktion, Horst Siemers (Hude), aber Entwarnung: „Die IGS wird die Gymnasien im Kreis laut Beschluss nicht verdrängen“, sagte er.

Die Inklusion betrachtend, rief Seefried auf, nicht aus dem bewährten Förderschulsystem auszusteigen: „Wenn es jetzt zerschlagen wird, können die über Jahrzehnte aufgebauten Strukturen nicht wieder aufgebaut werden“, sagte er.