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Händler als „Lebensbegleiter“ Intensive Beratung soll den Bio-Handel beflügeln

Von Ole Rosenbohm | 31.08.2017, 20:00 Uhr

Angestellte von Bioläden aus der Region arbeiten seit dieser Woche an ihrer Zusatzqualifikation „Naturkostberater/in“. Vom Boom der Biobranche können auch ländliche Gegenden profitieren, sagen Experten.

Diese Woche steht „Ernährung und Gesundheit“ auf dem Stundenplan, im nächsten Unterrichtsblock „Grundlagen im Ökolandbau“: In 188 Stunden arbeiten gut ein Dutzend aus dem Nordwesten stammende Angestellte aus diversen Bio-Unternehmen und Selbstständige im Naturkost-Segment an einer Zusatzqualifikation „Naturkostberater/in“. Unterstützt und zertifiziert wird der Kurs durch die Industrie- und Handelskammer (IHK) und den Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN). Zurzeit laufen bundesweit zwei Kurse dieser Art: einer in Nürnberg, einer im Seminarhaus Hosüne in Huntlosen des Öko-Großhändlers Kornkraft Naturkost.

Bio boomt

Bio boomt. 2016 habe die Branche insgesamt zehn Prozent Zuwachs verzeichnet, sagt Kornkraft-Gründerin Sabine Schritt. Und anders als bei der konventionellen Konkurrenz kommt im Biobereich auch der beratungsintensive stationäre Einzelhandel noch gut weg – trotz der Konkurrenz durch Internethandel und die immer mehr auf Ökoprodukte setzenden Supermärkte.

Biohändler werden zu „Lebensbegleitern“

Beratung ist eine der Stärken des Bio-Einzelhandels – genau die soll durch die Zusatzqualifikation noch gestärkt werden. Schritt sagt, Bioladen-Kunden wollen mehr wissen, wollen Austausch, wollen Einkauf als Erlebnis, ihre Händler seien Lebensbegleiter: „Sie wollen nicht nur kaufen, sondern auch die Geschichte hinter den Produkten erfahren.“ Dafür zahlen sie dann auch mehr.

Kundentreue gepaart mit der höheren Marge im Biobereich ermöglicht Chancen. „Bioläden trauen sich noch, nach mittelständischem Standard zu eröffnen“, sagt Schritt, im konventionellen Lebensmittelhandel sei die Preisspanne dafür oft zu niedrig. Auch Andrea Block von der Oldenburgischen IHK sieht Bio als Chance für den stationären Einzelhandel, auch gelte das für ländliche Gegenden, aus denen sich Einzelhändler immer mehr zurückziehen. Kornkraft selbst liefert Beispiele.

Angebotslücke auch in Ganderkesee gefüllt

Bis in Huntlosen ein Discounter öffnete, „waren wir Jahrzehnte der einzige Versorger im Ort“, sagt Schritt. Zuletzt füllte das Unternehmen in Ganderkesee mit seinem fünften Markt eine Angebotslücke. Auch so mancher Dorfladen habe viel Bio im Angebot.

Beim bis April 2018 laufenden Kurs stehen auch Exkursionen zu Biolandwirten oder Waschmittelherstellern auf dem Programm. Praxisnähe, neues Wissen, Weiterbildung erwartet die demnächst selbstständige Teilnehmerin Ulrike Wilms. Und „Argumente, um Kunden von der Ökobranche zu überzeugen.“ Bio sei ja schließlich teurer. Oder anders: Der konventionelle Handel sei viel zu billig.