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Haftstrafe für Sexualtäter Landgericht Oldenburg schickt Sexualtäter hinter Gitter

03.11.2015, 17:30 Uhr

Das Landgericht Oldenburg schickt einen 44-jährigen Sexualtäter für ein Jahr hinter Gitter. Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Opfers wurden verworfen.

Das Landgericht Oldenburg hat am Dienstag einen 44-Jährigen wegen einer Sexualtat zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr ohne Bewährung verurteilt. Außerdem muss der Verurteilte der Geschädigten, die vor Gericht als Zeugin wie als Nebenklägerin auftrat, 2500 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Urteil des Amtsgerichts aufgehoben

Ein Urteil des Amtsgerichts Wildeshausen vom Mai dieses Jahres, gegen das die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt hatte, wurde aufgehoben. Anders als die Wildeshauser Richter befindet das Oldenburger Schöffengericht um die Vorsitzende Richterin Uta von Stietencron den 44-jährigen Angeklagten für schuldig, im Dezember 2014 eine heute 50-jährige Wildeshauserin in seiner Wohnung sexuell genötigt und schwer verletzt zu haben. Der Verurteilte, ein gelernter Zimmermann, ist einschlägig vorbestraft.

Sexuelle Nötigung und Schläge

Hatte das Amtsgericht in seinem Urteil Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Opfers formuliert, so hob von Stietencron in ihrer Urteilsbegründung ausdrücklich hervor, dass die Frau auch auf spontane Nachfragen zum Tathergang durchaus glaubwürdig geantwortet habe. Auch deckten sich die Aussagen der Geschädigten zum Tathergang nach Auffassung des Oldenburger Gerichts mit den Verletzungen, die ein Arzt kurz nach dem Vorfall diagnostiziert hatte, darunter eine gebrochene Nase, eine Fraktur des Jochbeins sowie mehrere Hämatome im Gesicht und an den Armen. Der Angeklagte, so die Zeugin, habe sich in der fraglichen, gemeinsam durchzechten Nacht auf sie gesetzt, ihr mehrfach ins Gesicht geschlagen, ihr Hose und Slip heruntergezogen und in den Schritt gegriffen.

Keine unmittelbaren Zeugen

Mangels unmittelbarer Tatzeugen bestellte das Landgericht Oldenburg mehrere Freunde, Bekannte und sonstige Personen ein, die die Geschädigte in den 48 Stunden nach ihrem Zusammentreffen mit dem Angeklagten gesehen und mit ihr gesprochen hatten. Der Strafverteidiger versuchte bis zuletzt, Indizien für einen „alternativen Tathergang“ mit anderem Täter und zu anderem Zeitpunkt zusammenzutragen, um Zweifel an der Version der Zeugin zu wecken. Tatsächlich wollte sich der Gerichtsmediziner, der die Zeugin untersucht hatte, nicht auf den exakten Zeitpunkt festlegen, zu welchem diese ihre Verletzungen erlitten haben müsse. Er gab lediglich eine Zeitspanne von etwa 24 Stunden an.

Berufung möglich

Mit dem Urteil liegt das Landgericht sechs Monate unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Das Gericht hält dem Täter wegen hohen Alkoholkonsums in der Tatnacht „verminderte Steuerungsfähigkeit“ zugute. Staatsanwaltschaft wie Verteidigung können Berufung gegen das Urteil einlegen.