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Heimatgeschichte Ganderkesee Ganderkeseer schildern Alltag im Zweiten Weltkrieg

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 09.12.2017, 13:08 Uhr

In einem neuen Buch erinnern Hermann Speckmann und Werner Lüdeke an Ganderkesee im Zweiten Weltkrieg. Sie lassen vor allem Menschen und Bilder sprechen.

Nach neun Monaten konzentrierter Zusammenarbeit legt das Heimatforscher-Duo Hermann Speckmann und Werner Lüdeke sein zweites Buch über Ganderkeseer Heimatgeschichte vor. Galt ihr Interesse für den ersten Band „De slechte Tied“ den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, so gibt jetzt der Buchtitel den erforschten Zeitraum wieder: „Ganderkesee in der Kriegszeit“ spiegelt Alltag im Dorf von 1937 bis 1945 wider, ein Ort, der in kurzer Zeit von einer Hochburg der Sozialdemokratie zu einem Nazi-Dorf geworden war.

Leute kommen zu Wort

Als Autoren wollen Lüdeke und Speckmann gar nicht auftreten; auf dem Deckblatt kennzeichnen sie sich als Herausgeber. „Wir haben Dokumente gesammelt und Zeitzeugen zugehört und daraus die Alltagswirklichkeit der Leute dargestellt. Das war schon beim ersten Buch der Erfolgsschlager, weil sich die Leute im Buch wiedergefunden haben“, erläutert Speckmann. „Herausgekommen ist eine geschichtliche Aufarbeitung, die ich aus anderen Gemeinden im Landkreis Oldenburg und darüber hinaus so nicht kenne“, ergänzt er.

Marschierdorf Ganderkesee

Eigene Erinnerungen sind vielleicht beim Einordnen der Dokumente wichtig gewesen; bei der Autorenschaft spielen sie eine untergeordnete Rolle. Kein Wunder: Beide sind Jahrgang 1937 und haben die Jahre des Zweiten Weltkriegs im Knabenalter miterlebt. So erinnert sich Lüdeke an eckige und dampfende Phosphorbrandbomben, die im Garten an Ort und Stelle eingegraben und für den Kampfmittelräumdienst mit einem Fähnchen markiert wurden. Speckmann hat die unzähligen Märsche von Nazis, Hitler-Jugend (HJ) und Bund deutscher Mädel (BDM) heute noch vor Augen. „Ganderkesee war zum Marschierdorf geworden“, beschreibt er seine Erinnerung. Beide berichten von den Bomben- und Granatsplittersammelwettbewerben in der Schule: „Wer die meisten und größten Splitter mitgebracht hat, hat gewonnen.“

Private Quellen angezapft

Das und vieles mehr ist auf einer Vielzahl von Bildern dokumentiert, fast alle aus privatem Besitz von Ganderkeseern, gegebenenfalls aus der Sammlung des Orts- und Heimatvereins. Neben den Erinnerungen der Dorfbewohner sind auch Dokumente aus dem Staatsarchiv zu finden, die Zusammenhänge und Hintergründe erhellen. Im Buch ist zum Beispiel eine Selbstdarstellung des damaligen Bürgermeisters Friedrich Struthoff zu finden – Dokument eines Nazis durch und durch. Es ist nachzulesen, wie eindrucksvoll die Kreisleiter Gustav Sturm und Heinrich Thümler die Ganderkeseer auf den Nationalsozialismus eingeschworen haben. Es wird aber auch daran erinnert, dass Ganderkeseer der in Theresienstadt ermordeten jüdischen Familie Alexander bi zuletzt im Alltag geholfen haben.

Format begünstigt Erscheinungsbild

„Ganderkesee in der Kriegszeit“ ist über 200 Seiten dick. Dank des großen Formats kommen die vielen Bilder und Dokumente gut zur Geltung. Das Buch kostet 19,95 Euro und ist im örtlichen Buchhandel erhältlich.