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Hilfe für junge Familien Hebammenmangel in Ganderkesee spitzt sich zu

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 19.06.2018, 12:28 Uhr

Stenum/Landkreis Oldenburg In Ganderkesee spitzt sich das Problem fehlender niedergelassener Hebammen zu. Der Vorschlag einer Hebammenzentrale im Landkreis ist für die junge Mutter Lara Molde ein guter Ansatz.

Lara Molde ist im vergangenen Jahr mit dem nun einjährigen Linus im Bauch voll in das vielbeklagte Loch des bundesweit eklatanten Hebammenmangels geplumpst. „Ich habe ganze Listen abtelefoniert, erst in Ganderkesee gesucht, dann im Landkreis und im Umland. Es war keine freie Hebamme zu finden“, berichtet die Stenumerin. Schon gar nicht in ihrer Heimatgemeinde: „Ganderkesee will eine familienfreundliche Gemeinde sein. Dazu passt gar nicht, dass es jährlich 280 Geburten gibt und nur drei freiberufliche Hebammen.“ Zwei Geburtshelferinnen hätten das übliche Renteneintrittsalter in wenigen Jahren erreicht und eine sei schon drüber weg. „Man kann absehen, dass die 32.000-Einwohner-Gemeinde bald ganz ohne Hebamme dasteht“, sagt sie voraus.

Zentrale soll Bürokratie übernehmen

Damit es nicht so weit bergab geht, unterstützt Molde als Kreistagsabgeordnete die im Gesundheitsamt des Landkreises Oldenburg geborene Idee, eine Hebammenzentrale einzurichten. Sie soll werdende Mütter und niedergelassene Geburtshelferinnen zusammenbringen und den Selbstständigen Bürokratie abnehmen, damit diese sich stärker auf die Arbeit in der Vor- und Nachsorge konzentrieren können. „Nach der Übernahme einer Betreuung soll die Hebamme auch noch eine Prämie erhalten“, berichtet Molde aus Gesprächen mit Gesundheitsamtsleiter Jürgen Ohlhoff und mit der beim Landkreis angestellten Familienhebamme Tanja Böshans.

SPD-Fraktion schnell begeistert

Der Abgeordneten Molde ist es leichtgefallen, die SPD-Kreistagsfraktion für das Projekt Hebammenzentrale zu begeistern. „Auch die älteren Herren ziehen mit. Sie wünschen sich, dass ihre Enkelkinder bestmöglich betreut ins Leben starten“, sagt sie. „Wir werden alles tun, damit wir jungen Müttern und Familien im Landkreis Oldenburg besser helfen können“, verspricht denn auch der 73-jährige stellvertretende Fraktionsvorsitzende Franz Duin.

Niedrige Honorare, teure Versicherung

Als SPD-Landtagsabgeordneter will sich Axel Brammer, vor ein paar Tagen 63 geworden, dafür einsetzen, dass das Problem des Nachwuchsmangels bei den Hebammen gelöst wird. Von dem vielfach diskutierten Vorschlag, die Ausbildung zu akademisieren, ist die junge Mutter Molde gar nicht so begeistert. Wirkungsvollere Hebel sind für sie verbesserte Honorare für die Dienstleistungen. Und die in den letzten 20 Jahren um den Faktor 20 auf knapp 8000 Euro in die Höhe geschossenen Versicherungsprämien für die Berufshaftpflicht würden vom Staat nur zum Teil aufgefangen.