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Hühnervögel leiden Hunger Fasan wird rar in der Landschaft um Ganderkesee

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 04.03.2017, 14:21 Uhr

Hunger macht die hiesigen Hühnervögel anfällig für Krankheiten. Die in Ställen grassierende Geflügelpest scheint aber an ihnen vorbeizugehen.

Fasan, Rebhuhn und Wachtel haben sich rar gemacht in Feld und Flur der Gemeinde Ganderkesee. „Den Hühnervögeln fehlt Nahrung und Deckung“, erklärt Jan-Bernd Meyerholz. Der Vorsitzende des Hegerings Ganderkesee appelliert deshalb an die Landwirte und die Kommunen, die Gräser und Kräuter am Rande von Straßen und Wegen, Feldern und Wiesen nicht gleich nach dem Ende der Brut- und Setzzeit Mitte Juli zu mähen: „Mit dem Bewuchs verschwinden die Verstecke und die Käfer, die vor allem die Küken brauchen“, sagt Meyerholz, „mit dem Mähen sollte ein paar Wochen länger gewartet werden.“

Starthilfe im Zuchtbetrieb

Rebhuhn und Wachtel bevölkern seit Urzeiten die Naturräume in Mitteleuropa. Die intensive Nutzung der Landschaft in den letzten Jahrzehnten hat sie hierzulande nahezu unsichtbar gemacht. „Rebhühner kann man noch beobachten, manchmal in Fünfer- oder Sechserketten“, weiß der Hegeringleiter. Der Fasan, im Mittelalter aus Asien an die Fürstenhöfe geholt und dann ausgewildert, ist wegen der Größe, dem Flugverhalten und dem prachtvollen Gefieder häufiger zu sehen. Doch auch er braucht Hilfe. Die Blühstreifen an Ackerrändern sind nützlich. Aber: „Wir legen sie an Wegen an, damit die Vielfalt das menschliche Auge erfreut. Viel wirkungsvoller wären sie in versteckten Bereichen, wo kein Hund durchgehen kann“, stellt Meyerholz fest. Er weiß auch von Jägern in der Gemeinde, die Küken und „beschlagene“ Hennen mit befruchteten Eiern aus Fasanenzuchtbetrieben holen und aussetzen, um die Landschaft zu beleben.

Hunger macht krank

Lange habe man gerätselt, warum die Hühnervögel seltener werden, jetzt scheine klar, dass es am Deckungs- und vor allem am Nahrungsmangel liege, erklärt der Hegeringleiter. „Eine hungernde Henne wird für Krankheiten anfällig“, sagt er – und schon ist die Spirale nach unten in Gang gesetzt. Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft ist ein Grund für den Schwund kreuchenden und fleuchenden Futters für die Hühnervögel. „Pestizide werden aber nur noch im Raps eingesetzt“, stellt Meyerholz klar. Es habe sich Vieles zum Nachteil der Artenvielfalt verändert: Alles ist aufgeräumt und sauber. Jede Fuge und Ritze ist dicht. Jeder Misthaufen ist abgedeckt, damit sich niemand vom Geruch belästigt fühlt.“

Keine Ausfälle durch Geflügelpest

Die grassierende Geflügelpest habe nichts mit dem Schwund beim Federwild zu tun, ist Meyerholz überzeugt: „Betroffen sind die offenen Putenställe. An der Geflügelpest verendete Wildvögel sind nirgends entdeckt worden.“