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IG BAU in Sorge um Arbeitsschutz Gewerkschaft: Bauboom und Zeitdruck schuld an Unfällen

Von Thorsten Konkel | 07.11.2018, 17:31 Uhr

Bei Stress auf dem Bau kommt der Arbeitsschutz zu kurz, befürchtet die IG Bau und drängt auf mehr Kontrollen. Bei einem der schwersten Unfälle stürzte eine Betonwand in Delmenhorst auf vier Arbeiter.

Im anhaltenden Bauboom wirft die Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) den Behörden mangelnde Aufsicht beim Arbeitsschutz vor: Im Landkreis Oldenburg würden die Verantwortlichen nur selten kontrollieren, ob Arbeitsschutzvorschriften eingehalten werden. „Firmen müssen praktisch nur alle paar Jahre mit einer Kontrolle rechnen – wenn überhaupt“, beklagt die IG BAU-Bezirksvorsitzende Gabriele Knue.

Aufgrund der guten Baukonjunktur könne das Unfallrisiko sogar steigen, warnt die IG BAU Nordwest-Niedersachsen: „Volle Auftragsbücher und das Arbeiten unter Zeitdruck führen allzu oft dazu, dass auf Schutzmaßnahmen verzichtet wird“, ist Knue überzeugt. Denn immer wieder beobachte sie, wie Bauarbeiter ungesichert auf Gerüsten balancierten. Und fehlender Sicherheitsabstand zu Baggern und Kränen erhöhe ebenfalls die Unfallgefahr.

Personal der Aufsichtsbehörden massiv aufstocken

Die Gewerkschafterin fordert jetzt, das Personal der Aufsichtsbehörden massiv aufzustocken. Denn, so die Sorge, viele Baufirmen hielten sich nur dann an das Gesetz, wenn sie mit Konsequenzen rechnen müssten, lautet der Vorwurf der Arbeitnehmervertreter. „Schließlich müssen die Beschäftigten in den Betrieben und auf den Baustellen im Landkreis Oldenburg das Gefühl haben, dass der Arbeitsschutz auch wirklich unter die Lupe genommen wird“, begründet die Gewerkschafterin ihre Forderung nach mehr Kontrollen.

Staatliche Gewerbeaufsicht kontert Vorwürfe

Den pauschalen Vorwurf von zu geringem Kontrolldruck will Uwe Rottmann, Leiter des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamts Oldenburg, nicht auf seiner Behörde sitzen lassen. Allerdings – veröffentlichungsfähige Statistiken über Kontrollen auf Landkreisebene gibt es nicht.

Allgemein gelte aber: „Die Häufigkeit unserer Besichtigungen ergibt sich unter anderem aus einer Kategorisierung des Betriebes, Schwerpunktaktionen und aktuellen Anlässen, zum Beispiel Arbeitsunfälle“, sagte er unserer Zeitung auf Nachfrage.

In Niedersachsen ist das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt neben dem Arbeitsschutz auch für Aufgaben des Umwelt- und Verbraucherschutzes in Betrieben zuständig. Landesweit verzeichneten die Inspekteure 2017 laut ihrem Jahresbericht auf Baustellen 3696 Beanstandungen. Was die reine Überwachung des Arbeitsschutzes betrifft, so wurden 34 Anzeigen gestellt und in 3493 Fällen wurde ein Bußgeld erhoben.

Landesweit 12900 Unfälle im letzten Jahr

Wie die Gesetzliche Unfallversicherung mitteilt, kam es 2017 auf niedersächsischen Baustellen zu rund 12.900 Arbeitsunfällen – fünf von ihnen endeten tödlich. Genauere Zahlen für den Landkreis Oldenburg liegen aber nicht vor.

Auch die Berufsgenossenschaften, die ebenfalls die Arbeitssicherheit kontrollieren, erheben nach Auskunft ihres Sprechers Thomas Lucks keine Unfallzahlen nach Städten oder Postleitzahlen.

Immerhin, so die IG BAU, habe die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) in den letzten Jahren deutlich mehr Stellen für den Arbeitsschutz geschaffen.

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