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Im Takt der Zeit Kirchturmuhr in Ganderkesee läuft nun digital

Von Kristina Müller | 26.07.2017, 11:15 Uhr

Seit heute läuft die Kirchturmuhr der St.-Cyprian-und-Cornelius-Kirche wieder – und zwar minutengenau. Denn weil das mechanische Uhrwerk ausgedient hat, wurde nun ein digitales eingebaut.

Wer hat an der Uhr gedreht? Nachdem die Kirchturmuhr der St.-Cyprian-und-Cornelius-Kirche seit letzter Woche komplett stillstand, tickt sie seit heute wieder – allerdings genauer als je zuvor.

Geht man die steilen, schmalen Steintreppen der Kirche hoch, kommt man zum Herzstück des Turms: dem mechanischen Uhrwerk. Mehrere Jahrzehnte lang trieben große und kleine Zahnräder sowie verschiedene Gewichte kompliziert miteinander verbaut die Zeiger der drei Uhren am Turm an und sorgten dafür, dass die Glocke im Viertelstundentakt läutete.

Uhr von Hand aufziehen

Weil der Motor vor einigen Wochen kaputtging, musste der Küster die Uhr immer wieder per Hand aufziehen. „Das funktioniert über Pendel. Das muss man sich vorstellen wie bei einer alten Pendeluhr bei Oma zuhause. Das ist das gleiche Prinzip“, erklärt Glocken- und Uhrentechniker René Cebandt.

Ein mechanisches Uhrwerk sei immer sehr zeitaufwendig, wartungsintensiv und damit mit einigen Kosten verbunden. Da es wöchentlich gewartet werden müsse, fehle es den Kirchen oft am Personal dafür. Auch Ersatzteile müssten speziell angefertigt werden.

Von Temperatur beeinflusst

Die alte Uhr habe außerdem sehr temperaturabhängig gearbeitet: „Im Sommer lief sie meist schneller, weil das Öl flüssiger war. Im Winter, wenn das Öl dann etwa zäher war, lief die Uhr dagegen meist langsamer“, so Cebandt. Statt der vielen Zahnräder und Gewichte treiben nun viele Kabel und ein kleiner grauer Kasten die Uhr an. In diesem Kasten wurde der neue Motor eingebaut, der die Zifferblätter in Zukunft direkt antreibt.

Dieser Motor ist mit einer Hauptfunkuhr verbunden. „Das muss man sich wie jede andere normale Funkuhr vorstellen. Die stellt dann auch automatisch von Sommer- auf Winterzeit und umgekehrt um“, sagt der Techniker. „Die Leute werden es daran merken, dass die Uhr jetzt ziemlich genau läuft – eigentlich sogar minutengenau.“

Alte Uhr bleibt stehen

Die neue Hauptuhr schaltet auch den Stundenschlag. Weil dieser bisher ebenfalls rein mechanisch erklang, wurden auch dafür zwei neue Motoren eingebaut. Besondere Geläute und das Mittagsgeläut können nun ebenfalls über die elektronische Uhr bedient werden.

Der Wartungsaufwand sei nun um einiges geringer, wie Cebandt betont: Nur noch einmal im Jahr muss die neue elektronische Uhr von der Wartungsfirma aus Neustadt in Holstein überprüft werden. Als Andenken bleibt das mechanische Uhrwerk dennoch an alter Stelle stehen.