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Immer verliert einen Blickfang Wittes Buche wird Brennholz

Von Reiner Haase | 03.03.2015, 16:49 Uhr

Die Motorsäge macht die Blutbuche in Wittes Sommergarten zu Brennholz. Den bisherigen Blickfang mitten in Immer haben Pilze von Jahr zu Jahr stärker zugesetzt.

Im Sommergarten der Gaststätte Witte in Immer verschwindet in diesen Tagen Stück für Stück ein Kapitel der Orts- und Regionalgeschichte. Die Blutbuche, mehr als 100 Jahre Blickfang in der Mitte des Dorfes, ist unheilbar krank und wird von Baumpfleger Hans-Hermann Klaas gefällt. „Der Baum drohte umzustürzen. Das Risiko ist zu groß geworden“, erklärt Klaas. Er kümmert sich um den mächtigen Baum schon seit vielen Jahren und bedauert es, nicht mehr tun zu können, als zur Motorsäge zu greifen.

„Immer hin und zurück“: So orderten Städter über Jahrzehnte an den Bahnhöfen in Bremen, Delmenhorst und Wildeshausen Tickets, um in Wittes Sommergarten frische Luft, Getränke und Kuchen zu genießen. Von Grün umwachsene Lauben schufen Gemütlichkeit, „die gemauerte Liebesgrotte kam nach dem Ersten Weltkrieg dazu“, erinnert sich der Gastwirt im Ruhestand. Unzählige große und kleinere Feiern fanden hier den richtigen Rahmen. Kinder vergnügten sich auf dem achtsitzigen Karussell, handgeschmiedet von Hinrich Ordemann aus Bürstel. Alles wurde vom Laubdach der Blutbuche gekrönt.

Baumpfleger Klaas ist schon seit Monaten klar gewesen, dass das Prachtstück nicht mehr zu retten ist. Im Sommer 2014 habe es kümmerlichen Blattwuchs und frühen Laubfall gegeben. „Der Baum ist von unten her kaputtgegangen“, berichtet Baumpfleger Klaas, zerstört von parasitären Pilzen. Die ersten seien schon 1972 eingedrungen, als ein Orkan die Wurzelplatte angehoben habe. Kontinuierlich sei der Baum geschwächt worden. „Wir haben Äste zurückgeschnitten, damit der Schwerpunkt über der Stammmitte bleibt. Wir haben Kronensicherungen eingebaut. Nichts hat geholfen“, stellt Klaas achselzuckend fest.