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Impfaktion im Landkreis Oldenburg Gesundheitsamt klärt kreisweit Sechstklässler auf

Von Reiner Haase | 28.01.2019, 08:06 Uhr

Sechstklässler saugen Informationen über Gesundheitsthemen wie Schwämme auf. In der Impfaktion 2019 nutzt das Gesundheitsamt die Neugier, um Informationen über den Schutz vor Infektionen zu verbreiten.

84 Prozent Impfrate bei den Sechstklässlern im Landkreis Oldenburg gegen Masern, Mumps und Röteln– das ist für den Jugendärztlichen Dienst im Gesundheitsamt des Landkreises Oldenburg zu wenig. „Wir waren schon mal besser, bei 90 Prozent“, stellt Dr. Matthias Peiler fest. Mit anderen Mitarbeitern des Jugendärztlichen Dienstes beginnt er deshalb in diesen Tagen in den 6. Klassen des kreiseigenen Graf-Anton-Günther-Gymnasiums in Oldenburg mit Informationsveranstaltungen zum Thema Impfungen und Infektionsschutz. „Wir gehen anschließend in alle 6. Klassen der weiterführenden Schulen im Landkreis“, so Peiler, „mit den Schulen sind die Termine vereinbart, und die Eltern sind zum Teil auch schon informiert.“

„Kinder brennend interessiert“

Die Impfaktion in den 6. Klassen ist der letzte Zeitpunkt nach der Einschulungsuntersuchung, um alle Kinder eines Jahrgangs zu erreichen. Und es ist ein dankbarer Zeitpunkt: „Kinder in diesem Alter sind brennend interessiert an unseren Themen“, weiß Peiler aus den Impfaktionen der Vorjahre. Sie wollen wissen, was Händewaschen mit Infektionsschutz zu tun hat, was zu tun ist, wenn sich eine Zecke festgebissen hat und welche Folgen der Biss haben kann. Der Jugendärztliche Dienst bringt die Antworten auf diese und ähnliche Fragen zum allgemeinen Infektionsschutz mit. Außerdem werden die freiwillig vorgelegten Impfdokumente gesichtet. Im persönlichen Gespräch mit den Schülern werden mögliche Impflücken besprochen, und die Eltern erhalten ein Mitteilungsblatt zur Impfberatung, auf dem die fehlenden Impfungen dokumentiert sind. „Die Verantwortung lassen wir bei den Eltern“, betont Peiler. Sie können sich einen Impftermin im Gesundheitsamt besorgen oder die Lücke im Impfbuch beim Hausarzt schließen lassen. Die Kinder erhalten während der Impfaktion auch noch Informationen zu Vorsorgeuntersuchungen im Jugendalter (J1 und J2) und bekommen Informationsmaterial dazu für sich und die Eltern mit.

Masern im Vormarsch

Die hoch infektiösen Masern ausrotten wie vor 40 Jahren die Pocken – das hat die Weltgesundheitsorganisation WHO vor ein paar Jahren noch mit Zieldatum 2020 propagiert. „Bürgerkriege in vielen Ländern haben uns einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt Peiler mit Blick auf die wieder wachsende Infektionsgefahr. Gesundheitssysteme seien zusammengebrochen und Geflüchtete ohne Impfungen hier angekommen. Mancher Geflüchteter habe Deutschland auch ohne die Impfdokumente erreicht. Auch das erklärt noch nicht gänzlich, warum bei der Impfaktion 2018 nur 833 der 1321 Kinder in den 6. Klassen den Impfpass vorgelegt hatten. Meistens sei der Termin einfach vergessen oder der Impfpass nicht rechtzeitig gefunden worden. In einigen Fällen sei das Informationsschreiben aufgrund einer Sprachbarriere nicht verstanden worden. Nur in seltenen Fällen hätten Eltern die Vorlage des Impfpasses verweigert.

Gefahr bis ins Alter

Neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge kann eine Maserninfektion als Langzeitwirkung schwere Erkrankungen im Alter begünstigen. Auch das ist für Peiler ein Argument dafür, die Impfrate möglichst hoch zu halten. Ein weiterer Grund für die Impfaktion im sechsten Schuljahrgang ist die erforderliche Auffrischungsimpfung gegen Poliomyelitis – Kinderlähmung – in diesem Alter. Bei unvollständigem Impfschutz in der Bevölkerung könne diese Krankheit durch Einreisende, zum Beispiel aus Pakistan oder Afghanistan, wieder nach Europa eingeschleppt werden. „Von einer weltweiten Ausrottung der Poliomyelitis ist man weit entfernt“, stellt der Amtsarzt fest.

Schutz in der Herde

Das Stichwort „Herdenschutz“ liefert Dr. Peiler weitere Argumente für den möglichst lückenlosen Impfpass. Kleinstkinder, im Alter Geschwächte oder auf eine Chemotherapie angewiesene könnten nicht geimpft werden. Je weniger infektiöse Menschen in ihrer Umgebung, desto kleiner die Gefahr für die Ungeimpften, von einer Infektion in Lebensgefahr zu geraten.

Neue Impfempfehlung

Ein neues Thema der Impfaktion 2019 ist die Möglichkeit, auch Jungen gegen Humane Papillomviren (HPV) zu impfen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung von Jungen ab neun Jahren seit einem halben Jahr, und die Krankenkassen übernehmen jetzt die Kosten. „Diese Informationen müssen jetzt an die Familien herangetragen werden“, sagt Peiler. Für Mädchen gibt es die HPV-Impfung schon seit einigen Jahren. Die Impfrate von zehn Prozent zeige aber, dass diese Impfung bekannter gemacht werden müsse.