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Amtsgericht Wildeshausen In Baustelle gebrettert und acht Warnbaken mitgenommen

Von Ole Rosenbohm | 21.07.2019, 15:30 Uhr

Ein Lkw-Fahrer hat sich nach einem Wildunfall zunächst herausgeredet. Vor Gericht musste er trotzdem.

Vielleicht sei der Lastwagen-Fahrer „kurz eingenickt“, vermutete der Staatsanwalt. Mit Sicherheit aber sei der 27 Jahre alte Angeklagte aus Goldenstedt komplett unaufmerksam gewesen, als er am 6. Dezember morgens gegen 4 Uhr mit seinem schweren Gefährt plus Anhänger mitten in die eigentlich gut beleuchtete Baustelle auf der A1 nahe des Rastplatzes Delmetal in Harpstedt bretterte und dabei acht rot-weiß-gestreifte Warnbaken umfuhr, die wild herumflogen und auch noch einen nachfolgenden Wagen beschädigten.

Schlecht für den Angeklagten vor dem Amtsgericht Wildeshausen: Den Unfall meldete er nicht, tischte seinem Chef als Grund für die Beschädigungen dagegen einen Zusammenstoß mit einem Reh auf.

„Ich hatte Angst um meinen Job“, erklärte der 27-Jährige seine Lüge, die mit dem Auftauchen der Polizei auf dem Betriebshof des Unternehmens dann aber ganz schnell aufflog.

Richterin spricht von Glück

Für die Unfallflucht sollte der Mann laut Strafbefehl der Staatsanwaltschaft ein sechsmonatiges Fahrverbot erhalten. Damit aber wäre sein Job ganz sicher weg gewesen. So legte er schnell Einspruch ein, zeigte sich vor Gericht dann geständig und reuig und erhielt am Ende ein Fahrverbot, das er während seiner Urlaubszeit absitzen kann: einen Monat. „Glück gehabt“, sagte ihm die Richterin.

Der Fahrer verneinte die Vermutung des Staatsanwalts, ihm seien während der Fahrt die Augen zugefallen. Er habe ja alle Pausen eingehalten, könne sich aber den Zusammenstoß auch nicht erklären. Er habe sich noch auf dem nächsten Parkplatz die Schäden am Fahrzeug angeschaut, den Unfall aber doch nicht gemeldet. „Das war Mist“, sagte er. Sein Anwalt sprach mit Blick auf das Geschehen von einem Schockzustand.

Geständnis hilft

Weil durch das Geständnis des Angeklagten Zeugen im Laufe des Prozesses nicht gehört werden mussten und der Angeklagte bis auf wenige Geschwindigkeitsüberschreitungen noch „nichts auf dem Zettel“ hatte, fällte die Richterin das durchaus milde Urteil: das kurze Fahrverbot plus 30 Tagessätze zu 65 Euro Geldstrafe. Selbiges hatten auch Verteidigung und Anklagevertreter beantragt.

So ein Unfall könne als Lkw-Fahrer vorkommen – nachts im Dunkeln auf der monotonen Autobahn, sagte der Staatsanwalt: „Ganz normales Leben.“ Aber nicht dazu stehen, verschlimmere die Sache. Der Angeklagte wird wohl auch die Sachschäden zahlen müssen – allein für die Warnbaken wären das 1300 Euro.