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Infoveranstaltung im Kreishaus Nur wenige Flächen für den Ausbau der Windenergie

Von Dirk Hamm | 24.08.2017, 08:25 Uhr

Ohne Windenergie sind die Klimaschutzziele nicht zu erreichen, sagen Experten. Dem steht oft der Artenschutz entgegen, wie in einer Diskussion im Kreishaus deutlich wurde.

Die Spielräume für einen weiteren Ausbau der Windkraft in Niedersachsen sind gering. Bei der Planung von Windparks gestaltet sich der Spagat zwischen wirtschaftlichen Interessen, Klimaschutz und dem Schutz von Vögeln und Fledermäusen schwierig. Und viele Menschen, die in der Nähe von Windenergieanlagen wohnen, klagen über rätselhafte Beschwerden durch Infraschall, das vermeintliche „Windkraft-Syndrom“. All das ist am Dienstagabend während einer vierstündigen Informationsveranstaltung zur Windenergie im Kreishaus in Wildeshausen zur Sprache gekommen.

Klimaschutz ohne Wohlstandsverlust

Zunächst hatten die von der Kreisverwaltung eingeladenen Referenten das Wort. Christoph Schmidt-Eriksen vom niedersächsischen Umweltministerium arbeitete die wichtige Rolle der Windenergie für das Klimaschutzziel, die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, heraus. Sowohl die Landesregierung als auch die Bundesregierung gehen demnach von Szenarien aus, bei denen der Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid bis 2050 ganz oder größtenteils zurückgefahren wird. Das sei ohne Wohlstandsverlust machbar, erklärte Schmidt-Eriksen.

Nur 0,6 Prozent der Landesfläche ohne Konflikte

Voraussetzung sei aber, alle bauleitplanerischen Möglichkeiten für den Ausbau der Windenergie auszuschöpfen. Und genau da liege das Problem: Die sogenannten harten Tabuzonen, etwa im Umfeld von Militäranlagen, und die „weichen Tabuzonen“ wie die Abstandsflächen zur Wohnbesiedlung schränken die verfügbaren Flächen stark ein. Laut dem Referenten sind nur 0,6 Prozent der gesamten Landesfläche ganz ohne Konflikte für die Windenergie nutzbar.

Abschaltzeiten für den Artenschutz

Die Rücksicht auf den Artenschutz spielt dabei eine ganz zentrale Rolle. Der Biologe Mathias Schreiber machte deutlich, dass die immer größer werdenden Rotoren vor allem für den Mäusebussard und den Rotmilan zur tödlichen Falle werden können. Schreiber betonte, dass nach dem Naturschutzgesetz eine Windenergieanlage nicht genehmigt werden kann, wenn durch sie ein erhöhtes Tötungsrisiko für Tiere besteht. Eine Lösung könne aber in vielen Fällen durch zumutbare Abschaltzeiten gefunden werden.

„Windkraft-Syndrom“ nicht anerkannt

In der anschließenden Diskussion konnten dann die Zuhörer ihre Sorgen und Kritikpunkte äußern. Dass das „Windkraft-Syndrom“ wissenschaftlich nicht belegt sei, wie der Immissionsschutz-Experte Oliver Bunk erklärte, wollte vielen im Publikum nicht einleuchten. Kritisiert wurde, dass kein Vertreter aus dem medizinischen Bereich eingeladen worden war. Die von einer Zuhörerin vorgebrachte Forderung, zum Schutz vor Infraschall 3000 Meter Abstand zwischen Windpark und Wohnbebauung vorzuschreiben, lehnte Bunk ab: „Dann dürften auch keine Autobahnen mehr gebaut werden.“