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Initiative „Mensch vor Windkraft“ Drei Windparks verschmelzen zu einem

Von Reiner Haase | 24.11.2015, 08:02 Uhr

Eine neue Bürgerinitiative wehrt sich gegen neue Windparks mitten in der Wildeshauser Geest. Der Landkreis Oldenburg soll Gemeinde-Planungen eindämmen.

Ronald Müller aus Schweinsheide in der Gemeinde Ganderkesee sowie Petra Janßen und Wilfried Holtmann aus Klein Henstedt in der Samtgemeinde Harpstedt platzt der Kragen, wenn sie an die Windkraft-Planungen in Sichtweite ihrer Häuser denken. Bisher stehen in Hengsterholz sechs und in Uhlhorn drei Windräder. In naher Zukunft können es über 40 sein, 21 neue Windkraftanlagen in der Klein Henstedter Heide, zwölf in Haidhäuser und je eine zusätzliche Windenergieanlage in Hengsterholz und Uhlhorn, vielleicht auch noch die „Repoweríng“ genannte Vergrößerung alter Anlagen.

Außerordentliche Ballung

Mit Ganderkesee, Dötlingen und der Samtgemeinde Harpstedt sind drei Kommunen im Spiel, jede verfolgt ihre eigene Strategie. Das Gesamtergebnis haben Müller, Janßen und Holtmann sowie 32 Mitstreiter im Blick, die im Oktober die Bürgerinitiative „Mensch vor Windkraft“ gegründet haben. „Es gibt vorläufig noch keinen Windpark, wo so viele Windräder mit über 200 Metern Höhe so geballt gebaut werden“, sagt Holtmann, „die Auswirkungen sind noch nicht bekannt. Wir werden Versuchskaninchen.“

Moratorium gefordert

„Mensch vor Windkraft“ fürchtet Schlagschatten vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang, Diskoeffekte, nerviges Dauerblinken Tag und Nacht oben auf den Türmen und nicht abschätzbare Gesundheitsrisiken durch Infraschall. „Der Windkraft-Vorreiter Dänemark hat ein Moratorium erlassen, bis die Infraschall-Auswirkungen geklärt sind“, sagt Müller.

Planungen schreiten voran

Die Planungen in den Gemeinden schreiten voran. In Ganderkesee hat sich der Fachausschuss kürzlich für die siebte Hengsterholzer Anlage ausgesprochen. In Dötlingen soll der Gemeinderat am Donnerstag über die finanzielle Beteiligung der Gemeinde am Windpark befinden. In Harpstedt ist jüngst die Einwendungsfrist im Änderungsverfahren für den Flächennutzungsplan abgelaufen. „Wer schon Einwände geltend gemacht hat, kann noch weitere Argumente nachliefern“, stellt Holtmann klar.

Schadenersatz für Wertverlust

Die Bürgerinitiative fordert größere Abstände zwischen den Windparks und zwischen den einzelnen Anlagen und Wohnhäusern, klare Aussagen zum Infraschall und zum Eiswurf. Auf Straßen für den Bau und die Wartung der Anlagen soll verzichtet werden, wo Eigentümer nicht einwilligen. Schließlich wird Schadenersatz gefordert, wenn von Windmühlen eingekreiste Häuser an Wert verlieren.

Landkreis Oldenburg gefordert

Der Landkreis Oldenburg habe die Verantwortung für Sonderflächen für Windenergie an die Gemeinde abgetreten, bedauert die Bürgerinitiative. Der Kreis wird aufgefordert, sich bei der aktuell laufenden Überarbeitung des Regionalen Raumordnungsprogramms Verantwortlichkeit zurückzuholen und sich alter Argumente zu erinnern: Die Klein Henstedter Heide sei viele Jahre lang für den sanften Tourismus als „Herz des Naturparks Wildeshauser Geest“ gefeiert worden. Künftig werde beim Blick aus dem Auto eine verspargelte Landschaft mit Riesenrotoren auffallen. „Wer möchte hier eine Pause einlegen, Erholung suchen oder gar Urlaub machen?“, fragt die Schutzgemeinschaft Klein Henstedter Heide. Auf diese Frage wünscht sich auch die Bürgerinitiative Mensch vor Windkraft eine Antwort aus dem Kreishaus.