Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Inklusionspreis vergeben Für ein selbstbestimmtes Leben im Kreis Oldenburg

Von Ole Rosenbohm | 22.09.2019, 17:11 Uhr

Der Landkreis Oldenburg hat zwei Schulen und eine Kita mit dem Inklusionspreis ausgezeichnet.

Der Saal mit über hundert Besuchern war vollbesetzt, die Stimmung auch wegen des von Dagmar Grössler-Romann geleiteten Singschule der evangelischen Kirche bisweilen ausgelassen. Und weil sich auch noch die Zahl der Bewerber im Vergleich zu 2018 erheblich (von damals nur zehn auf jetzt 18) vergrößert hat, darf die dritte Vergabe des Inklusionspreises des Landkreises Oldenburg als erfolgreich bewertet werden. Wie immer gab es drei Sieger: diesmal die Grundschule Hohenfelde, die Förderschule „Hunteschule“ in Wildeshausen und die heilpädagogische Kindertagesstätte „Farbenfroh“ aus Wildeshausen.

Hervorragende Beispiel

Alle 18 Einreichungen seien „hervorragende Beispiele“, wie Menschen mit Beeinträchtigungen selbstbestimmt leben können: „Sie zeigen, was möglich ist“, sagte Heidelis Iden vom Kreisbehindertenrat. Auch in Betrieben: „Wenn man sie nur lässt, können sie ihre Stärken gut einbringen“.

Die Preisträger bestimmt hat ein Vergabegremium aus Vertretern des Kreistages, des Kreisbehindertenrates und der Verwaltung. Schwerpunkt dieses Jahr: inklusive Bildung. Aber auch Theaterprojekte, Schul-Kooperationen eine Einkaufskette (Inkoop) mit einem Projekt namens „mobiler Einkaufswagen“ zur Unterstützung beeinträchtigter Kunden hatten sich beworben.

Hilfe für Hochbegabten

Inklusion, die Einbindung aller, geht auch Hochbegabte an, zeigt der Preis an die Grundschule Hohenfelde in Wardenburg-Westerburg, die sich bei der Integration eines sehr intelligenten aber sozial extrem schwierigen Kindes auszeichnete. Der sich unterfordert fühlende Junge störte den Unterricht, hieß es, war aggressiv und provozierte. Die Schule nahm sich den Problemen an und verzichtete, so Laudatorin und Kreistagsabgeordnete Kreszentia Flauger (Linke), auf den empfohlenen und für sie einfacheren Weg – nämlich das Kind nur stundenweise den Unterricht besuchen zu lassen. Diese Schule lebe Inklusion aus Überzeugung.

Achtklässler engagieren sich

Wildeshausens Stadtratsmitglied Wolfgang Sasse (CDU) stellte die „AG Ehrenamt“ der Förderschule „Hunteschule“ vor, die nächste Gewinnerin des Inklusionspreises. Jugendliche der achten Klasse machen immer donnerstags bei sozialen Einrichtungen mit – der Tafel, dem Mehrgenerationenhaus oder der Kleiderkammer. Die Initiative ermögliche den Schülern das Sammeln von Erfahrungen, sie vermittle Sicherheit im Umgang mit anderen und führe zu einer „gewissen Verbindlichkeit“. Die Kita „Farbenfroh“ erhielt den Preis für die Einstellung einer behinderten Frau. Diese absolvierte erst zwei Praktika und erhielt nun eine Vollzeitstelle als Unterstützungskraft. Laudator Hilko Finke, der Vorsitzende des Kreissozialausschusses, sagte, ein solcher Arbeitsplatz trage dazu bei, dass „Diversität im Arbeitsleben normal wird“.