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Integration von Flüchtlingen So gelingt im Kreis Oldenburg der Sprung in neuen Job

Von Thorsten Konkel | 10.12.2018, 16:49 Uhr

Von Abu Dhabi nach Wildeshausen: Deutsche Berufe unterscheiden sich häufig von denen in den Herkunftsländern Geflüchteter. Mit einem Plan klappt der Einstieg ins Berufsleben.

Saeed Manzalawi klappt den Schweißhelm herunter und setzt den Brenner konzentriert am Werkstück an. Funken sprühen grell und gleißend in einem Lichtbogen über. Martin Horst, Schweißfachmann der Wildeshauser Firma Gebrüder Sauer Produktionsgesellschaft leitet den Geflüchteten aus Abu Dhabi an.

Betriebliche Schnuppertage bieten geflüchteten Menschen die Gelegenheit, in verschiedene Arbeitsbereiche hineinzusehen, berufliche Neigungen zu entdecken oder vorhandene Fähigkeiten einzubringen. „Berufe in Deutschland unterscheiden sich häufig deutlich von Berufen in den Herkunftsländern geflüchteter Menschen“, erklärt Ute Frankenfeld, Integrationsbeauftragte des Landkreises Oldenburg, die die betrieblichen Schnuppertage zusammen mit den Willkommenslotsen der Kammern organisierte.

Das Schnuppertage-Projekt ist nicht auf die unmittelbare Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses ausgerichtet, sondern bewusst sehr niederschwellig angelegt. Betriebe und Zugewanderte erhalten die Chance, einander kennenzulernen. Es geht auch darum, dass geflüchtete Menschen mehr über betriebliche Tätigkeitsfelder, Betriebsabläufe, den Einsatz von Maschinen, über Arbeitsorganisation, Arbeitszeiten und Arbeitsbeziehungen erfahren und sich darin ausprobieren.

Schnupperpraktika in Betrieben

Saeed Manzalawi ist einer von neun geflüchteten Menschen, die vier Tage lang an den Schnupperpraktika in Betrieben in Wildeshausen teilnehmen können. Für jeweils zwei Tage gewinnen interessierte Geflüchtete Einblick in die Produktions- und Arbeitsabläufe von verschiedenen Firmen. Die Lehrwerkstatt von Atlas Weyhausen ist der zweite Praktikumsbetrieb auf Manzalawis Liste.

„Die Ehrenamtlichen der Initiative ‚Willkommen in Wildeshausen‘ und die Sozialarbeiterinnen der Diakonie haben uns bei der Besetzung der Praktikumsplätze ganz toll unterstützt“, kommentiert die Integrationsbeauftragte Ute Frankenfeld die gelungene Netzwerkarbeit.

„Wenn es passt, kann sich natürlich ein längeres Praktikum anschließen“, erklärt Bettina Doneit, Willkommenslotsin der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer, die zusammen mit Marco Janssen (Handwerkskammer Oldenburg) und Lydia Vaske (Landwirtschaftskammer Niedersachsen) für die Betriebe als Ansprechpartner zur Verfügung steht.

Schnuppertage in der Küche des Kreisaltenheims

Im Kreis Oldenburg machen viele Firmen aus Wildeshausen mit. Das Spektrum der Kurzpraktika reicht vom Schaltschrankbau über Metallbearbeitung, Transport und Elektromontage bis zu Hauswirtschaft, Gastronomie und Kunststofftechnik.

Mamdoh Alissa aus Syrien, hat sich für zwei Schnuppertage in der Küche des Kreisaltenheims entschieden. Der freundliche junge Mann schneidet Kuchen, füllt Thermoskannen und serviert Teller mit Suppe für die Heimbewohner. „Wir sind sehr zufrieden mit ihm“, meint Enrico Zober, der in der Küche heute das Sagen hat. Rund um das Material Kunststoff geht es bei dem Schnupperpraktikum von Mohammad Alizadeh. An der computergesteuerten Fräse werden die Teile ausgeschnitten, danach greift der energiegeladene Mann aus Afghanistan zur Druckluftpistole und säubert die Ränder. „Er hat ganz gut mit angepackt“, sind sich Betriebsinhaber Georg Heinrich Vulhop und der ehemalige Seniorchef Georg Vulhop einig.

Frankenfeld: „Unser Ziel ist auch, dass zugewanderte Menschen möglichst wohnortnah und niedrigschwellig mehr darüber erfahren können, wie Arbeit in Deutschland funktioniert.“