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Interview mit Ganter-Markt-Chef Ganderkeseer Kaufleute setzen Hoffnung in neuen Quartiersmanager

Von Thorsten Konkel, Thorsten Konkel | 19.12.2016, 07:32 Uhr

2016 hat sich das Ladensterben in Ganderkesees Ortskern fortgesetzt: Im dk-Interview berichtet Ganter-Markt-Chef Timo Vetter über die Lage der Kaufleute nach einem weiteren Jahr des Stillstands im Bestreben, die Attraktivität des Zentrums wieder zu steigern.

 dk: Herr Vetter, angesichts des voranschreitenden Ladenstrebens in diesem Jahr in Ganderkesees Ortskern kann die Stimmung der örtlichen Kaufleute sicher nicht besser geworden sein, oder?

Timo Vetter ,Vorsitzender von Ganter-Markt: Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist. Oder ist es noch? Der geplante und schon länger geforderte Quartiersmanager ist ja zumindest ein Anfang. Schade, dass dieser nicht schon vor ein paar Jahren loslegen konnte.

 Gibt es Hoffnung, kurzfristig zumindest einen Teil der leer stehenden Gewerbeflächen im Ort wieder mit Leben zu füllen?

Ja, es gibt meines Wissens gerade Interessenten für den einen oder anderen Leerstand. Aber mit Sicherheit wird zumindest der ehemalige Secondhandladen, ehemals Ernstings, in Kürze eine neue Nutzung bekommen.

 Schon 2015 über haben die Kaufleute die rasche Marktplatzumgestaltung gefordert. Runde um Runde wurde auch 2016 weiter über dieses Vorhaben im Rat diskutiert, mit welchem Ergebnis aus ihrer Sicht?

Das leidige Thema. Es wurde ja jetzt scheinbar irgendwas beschlossen, was das Anrücken von Baggern im Frühjahr rechtfertigen soll. Grundlage ist der leicht modifizierte Kreye-Entwurf, gegen den wir ja nicht grundsätzlich was haben, der aber nicht das geforderte Gesamtkonzept beinhaltet.

 Reicht Ihnen die durch den Kreye-Entwurf vorgegebene Richtung?

Ziele waren ja eine Verbindung vom Grünen Weg zur Rathausstraße und Parkplätze auf der Fläche eines multifunktional nutzbaren Marktplatzes. Bis heute gibt es meines Wissens kein Gesamtkonzept, dass die Entwürfe von Flemming, Kreye und auch den von uns, beziehungsweise Manfred Neugebauer, vereint. Auch bei dem großen Platz soll nach Fertigstellung des östlichen Teils „irgendwas“ kommen, was womöglich Teile des Gewünschten beinhaltet. Aber jetzt wird erst mal mit der kleinen Lösung angefangen, und dann schaut man mal weiter. Das finde ich so nicht sinnvoll. Man wird sagen, dass wir die Markplatzumgestaltung ja unbedingt wollten. Aber ob es das wird, was wir wollten, das vermag ich noch gar nicht einzuschätzen. Jetzt werden erst mal neue Tatsachen geschaffen.

 Und wie steht es um die Parkplätze?

Wir könnten weitere Leerstände abwarten und dann den Zweck der geforderten Parkplätze wieder infrage stellen. Aber auf diese Idee sind die Parkplatzgegner sicher auch schon gekommen. Sicher ist: Sobald der Hagstedt-Parkplatz wegfallen sollte, wird es an manchen Tagen eng – mit oder ohne den einen oder anderen Leerstand.

 Haben die beiden neuen Ärztezentren den erhofften Lauf durch die Rathausstraße gebracht?

Ich glaube nicht. Ich habe das auch nicht gehofft. Womöglich locken Fachärzte ortsfremde Besucher in den Ort, die aber ja nicht zum Shoppen oder ,Sightseeing‘ kommen, sondern in der Regel wegen eines Arztbesuches. Das mit dem ,Lauf‘ ist ja eh so eine Sache wegen des Trends zur ,Fußfaulheit‘. Jeder will ja direkt vor dem Laden parken. Man fährt auch lieber 30 Minuten in die nächste Stadt oder ins Einkaufszentrum, anstatt insgesamt zehn Minuten zwischen den Geschäften zu laufen oder gar 100 Meter entfernt zu parken.

 Neue Einfälle hat Ganter-Markt im letzten Jahr umgesetzt, um Kunden zu locken, darunter das erste „KNUTschen“, den verkaufsoffenen Sonntag zum Jahresbeginn rund um die Weihnachtsbaumentsorgung. Was dürfen wir 2016 an Innovationen erwarten?

Es ist zurzeit nicht geplant, etwas Neues aus dem Hut zu zaubern. Das ,KNUTschen‘ wird am 8. Januar aber mit kleineren Veränderungen in die zweite Runde gehen. 2017 gibt es auch wieder eine Gewerbeschau.

 Ein Blick in die Glaskugel: Wird es in zehn Jahren noch eine Rathausstraße mit inhabergeführten Geschäften geben?

Keine Ahnung, was in zehn Jahren ist. Das hängt womöglich nicht mal von der Lokalpolitik oder dem Kaufverhalten ab. Vielleicht ist das Fehlen inhabergeführter Geschäfte in einer im Idealfall überhaupt noch existierenden Rathausstraße dann unser geringstes Problem. Aber bis dahin versuchen wir alles.