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Interview mit Malte Smolna „Freie Märkte sichern Arbeitsplätze in der Region“

Von Dirk Hamm | 27.05.2017, 14:08 Uhr

Malte Smolna, Geschäftsführer des Ganderkeseer Unternehmens Cetex-Rheinfaser GmbH, spricht im dk-Interview über die aktuellen Herausforderungen für die Exportwirtschaft. Seit 2013 ist der 48-Jährige im Außenwirtschaftsausschuss des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) vertreten.

 Frage: Herr Smolna, die Skepsis gegenüber Freihandelsabkommen scheint immer größer zu werden. Wie sehr profitieren denn mittelständische Unternehmen in der Region und in Niedersachsen vom Abbau der Handelshemmnisse? 

Malte Smolna: Der Auslandsumsatz im Oldenburger Land ist in den vergangenen fünf Jahren um fast 15 Prozent auf rund sechs Milliarden Euro gestiegen. Viele unserer im Ausland aktiven Mittelständler erreichen dabei Exportquoten von über 50 Prozent. Diese Zahlen machen deutlich, wie wichtig freie Märkte für den Erfolg der Betriebe im Ausland sind. Dadurch sichern und schaffen sie bei uns in der Region Arbeitsplätze.

 Wie viele Arbeitsplätze in der Region hängen von der Exportwirtschaft ab? 

Genaue Daten dazu liegen mir nicht vor. Signifikant ist aber die Zahl von über 800 auslandsaktiven Betrieben im Oldenburger Land, die überwiegend aus dem Bereich des produzierenden Gewerbes stammen. Und im Zuge der weiteren Internationalisierung der Unternehmen kann man davon ausgehen, dass der vom Auslandsgeschäft abhängige Anteil der Arbeitsplätze weiter steigen wird.

 Wie ist gegenwärtig das Klima für diese Betriebe auf den internationalen Märkten? 

Aus einer aktuellen DIHK-Umfrage wissen wir, dass die Unternehmen eine Zunahme von neuen Handelshemmnissen für ihre Geschäfte beklagen, etwa in der Form lokaler Zertifizierungsanforderungen oder des Zwangs zur Produktion vor Ort. Das kommt gerade angesichts einer eher schwierigen weltpolitischen Lage zur Unzeit. Märkte öffnen und internationale Geschäfte erleichtern, um Potenziale auszuschöpfen und Wachstum zu generieren, sollte das Gebot der Stunde sein.

 Ihr Unternehmen pflegt auch Handelskontakte mit den USA. Befürchten Sie eine härtere Gangart in den transatlantischen Handelsbeziehungen wegen Donald Trump? 

Bislang ist eine klare handelspolitische Linie der Trump-Administration noch nicht erkennbar, was eine gewisse Unsicherheit schürt. Eine Eintrübung des transatlantischen Warenaustausches zeichnet sich allerdings ebenso wenig ab, was dafür spricht, dass beide Seiten auch weiterhin an einer engen Handelsbeziehung interessiert sind.

 Wie wird sich der Brexit Ihrer Meinung nach mittel- und langfristig auf Unternehmen aus dem Oldenburger Land und Niedersachsen auswirken? 

Bei Gesprächen mit regionalen Unternehmen zeigt sich bislang überwiegend Gelassenheit. Denn bis der Brexit ausverhandelt ist, wird es ja noch einige Zeit dauern. Da Großbritannien sich über die Jahre sehr stark im Dienstleistungssektor aufgestellt und eine eher schwache industrielle Basis hat, wird die Insel auch weiterhin auf Exporte aus der EU angewiesen sein. Aufgrund der im Binnenmarkt gewachsenen Handelsverflechtungen hoffen unsere Betriebe natürlich, dass der Handel auch nach dem Brexit möglichst ohne bürokratische Hürden laufen kann.