Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Irakischer Flüchtling angeklagt In Ahlhorn mit Messer elf Mal auf Ehefrau eingestochen

Von Thomas Deeken, Thomas Deeken | 24.05.2016, 16:22 Uhr

Ein Flüchtling aus dem Irak steht derzeit wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Oldenburg. Laut Anklage hat er mehrfach mit einem Messer auf seine Ehefrau eingestochen, die sich von ihm trennen wollte.

Ein 22-jähriger Flüchtling aus dem Irak muss sich seit Dienstag, 24. Mai, vor dem Landgericht Oldenburg wegen versuchten Mordes an seiner Ehefrau verantworten. Ihm wird vorgeworfen, auf die inzwischen 20-Jährige „aus niederen Beweggründen“ und wegen „verletzter Eitelkeit“ elf Mal mit einem Messer eingestochen zu haben, so die Anklage. Die Tat geschah am 28. November in einem Haus an der Mozartstraße in Ahlhorn (Gemeinde Großenkneten), in dem die junge Irakerin bei ihrer Schwester lebte. Die 20-Jährige, so hieß es vor Gericht, habe sich von ihrem Ehemann trennen wollen.

Keine Erinnerung an die Tat

Der Angeklagte, dessen Aussagen über einen Dolmetscher übersetzt wurden, erklärte, ihm tue die Tat zutiefst leid. Er habe jedoch überhaupt keine Erinnerung mehr daran. Die Frau war laut Staatsanwaltschaft derart schwer verletzt worden, dass sie nur wegen eines schnellen ärztlichen Einsatzes gerettet worden ist. Sie müsse immer noch intensiv medizinisch betreut werden. Noch in der Nacht war der Iraker festgenommen worden. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Bis zur Tat in Unterkunft Schwanewede untergebracht

Der Angeklagte, seit November 2013 mit der jungen Irakerin verheiratet, floh im Herbst 2015 mit seiner Frau, einem Neffen und sechs Freunden aus dem Irak und kam über Schlepper, Bus, Zug und zu Fuß über die Türkei, Bulgarien, Serbien, Slowenien und Österreich nach Deutschland, wo alle im Oktober des vergangenen Jahres eintrafen. Das Ehepaar fuhr weiter nach Köln, wo es bei einem weiteren Neffen des Mannes unterkam und sich registrieren ließ. Nach etwa zwei Wochen trennte sich das Paar zunächst freiwillig: Er zog über Bramsche zur Flüchtlingsunterkunft Schwanewede, um auf den Abschluss seines Asylverfahrens zu warten. Sie kam bei ihrer Schwester in Ahlhorn unter. Später, so der ursprüngliche Plan, wollten beide wieder zusammenziehen.

Ehefrau wollte sich von Mann trennen

Allerdings, so hieß es am Dienstag vor Gericht, habe die Ehefrau ihrem Mann plötzlich zu verstehen gegeben, dass sie sich von ihm trennen wolle. Sie seien künftig nicht mehr Ehepartner, sie wolle ihn vielmehr wie einen Bruder ansehen. Das habe den Angeklagten verletzt. Es sei noch zu zwei Treffen gekommen, um die Frau umzustimmen. Bei der zweiten Zusammenkunft, bei der es anfangs noch ein ruhiges Gespräch gegeben habe, sei die Lage am Nachmittag eskaliert. Im Treppenhaus, so die Staatsanwaltschaft, sei es zu der Bluttat mit dem Messer gekommen, das der Angeklagte eigenen Angaben zufolge ein paar Tage zuvor gekauft hatte, „um auch Salate im Wohnheim in Schwanewede zubereiten zu können“.

Die Verhandlung wird am kommenden Freitag, 27. Mai, ab 9 Uhr in Oldenburg fortgesetzt. Vorerst sind fünf weitere Prozesstagtage angesetzt.