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Jet-Flugtage 2016 Ganderkeseer Modellflieger gegen Einschränkung ihres Hobbys

Von Thorsten Konkel, Thorsten Konkel | 29.06.2016, 09:09 Uhr

Örtliche Modellflieger sprechen sich kurz vor Beginn der Jet-Flugtage 2016 gegen eine weitere Regulierung ihres Hobbys aus. Grund: Das Bundesverkehrsministerium will die Flieger auf 100 Meter Flughöhe beschränken. Grund dafür ist das immer größere Aufkommen an Multicoptern, den sogenannten Drohnen.

Jahre kann es dauern, bis ein hochwertiges Modellflugzeug zusammengebaut ist. Vor allem, wenn es sich um ein so großes Modell handelt, wie es Reinhard Oetken einmal konstruiert hat. Der bis dato größte Modellflieger Deutschlands, ein Airbus A380-900 im Maßstab 1:15, wiegt rund 100 Kilogramm, hat eine Spannweite von 5,35 Meter und eine Länge von 5,25 Metern.

Heute wird der Riesenvogel von einem arabischen Kronprinzen geflogen.

Oetken ist dem Flughobby aber treu geblieben. Er hat jedoch die Modell-Fernsteuerung gegen das Cockpit eines echten Flugzeugs eingetauscht. Als Pilot und Modellflieger weiß der Mitveranstalter der Ganderkeseer Jet-Flugtage, wie kompliziert Flugmodelle zu fliegen sind – und welche Folgen ein Fehlverhalten von Hobbypiloten für die Verkehrsluftfahrt haben kann.

„Doch wenn die Pläne des Bundesverkehrsministeriums, die gesamte Modellfliegerei auf eine Flughöhe von maximal 100 Metern zu beschränken, durchkommen, dann ist es aus mit unserem Hobby“, stellt Oetken klar.

Dann könnten auch Veranstaltungen wie die Ganderkeseer Jet-Flugtage bald unmöglich werden.

Oetken und Manfred Neugebauer veranstalten in der Arbeitsgemeinschaft Fly Event Service das modellfliegerische Großereignis auf dem Flugplatz an der Otto-Lilienthal-Straße in diesem Jahr am 9. und 10. Juli. Tausende Zuschauer, 70 Piloten und etwa 100 Großmodelle werden erwartet. Auch Thomas Plate, 1. Vorsitzender des Modellflug-Club Dötlingen, sorgt sich um eine Neuregelung der Luftverkehrsordnung:

„Es gibt 20 Sparten in der Modellfliegerei mit internationalen Meisterschaften. In den meisten, wie etwa im Kunst- oder Jet-Flug, wird deutlich höher geflogen“, sagt er. Seine Befürchtung: „Sollte diese Regelung greifen, müssen wir unseren genehmigten Modellflugplatz in Dötligen-Birkenbusch schließen.“

Echte Zugewinne an Sicherheit, darunter eine ausgeweitete Kennzeichnungspflicht für Flugmodelle, will die Interessenvertretung der Modellflieger mittragen. Das erklärt Hans Schwägerl, Präsident des Deutschen Modellflieger Verbands (DMFV) auf der Internetseite der Vereinigung.

Angestoßen worden war die Forderung nach einer Verschärfung durch die rasche technische Entwicklung und die hohe Verbreitung von Multicoptern, den sogenannten Drohnen.

Deren Piloten unterliegen derzeit nicht dem bereits hoch reglementierten Flugbetrieb der „großen“ Modellflieger.

Während die Multicopter noch überall aufsteigen dürfen, benötigen die Modellpiloten geeignete und zugelassene Flugplätze. Auch besondere Führerscheine sind für Drohnenpiloten noch nicht erforderlich. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) will nun im Rahmen der gegenwärtigen Neufassung der Luftverkehrsordnung Drohnen registrieren lassen.

Damit haben die „echten“ Modellflieger kein Problem, betont Oetken: „Allein durch unsere Großmodelle unterliegen wir schon so vielen Auflagen, brauchen für die Modelle Versicherungen und jährliche technische Abnahmen, ähnlich wie bei richtigen Maschinen“, erläutert er. Auch Plate stimmt zu: „Wir sind echte Modellbauer, die Verantwortung übernehmen, wir passen auf. Solche Drohnen kann man aber in jedem Kaufhaus bekommen.“ Und gerade die teils unvorsichtigen Multicopterpiloten, die mit ihren kleinen Fliegern immer wieder für kritische Situationen rund um Verkehrsflughäfen sorgen würden, könnten nun einen ganzen Hobbyzweig in Misskredit bringen, heißt es.

„Drohnenführerschein“ löst Probleme nicht

Einen von anderen Modellflug-Interessenvertretungen ins Gespräch gebrachten „Drohnenführerschein“ für den privaten Betrieb von Flugmodellen jeglicher Art lehnt der Deutsche Modellflieger Verband allerdings weiterhin ausdrücklich ab.

Der Befähigungsnachweis löse die Probleme nicht, sondern er böte nur einen unverhältnismäßigen bürokratischen Aufwand samt Kosten in unbekannter Höhe.

Die Deutsche Flugsicherung möchte bei der Novellierung der Luftverkehrsordnung sogar noch strengere Maßstäbe anlegen: Ähnlich wie bei der SIM-Karte für ein Mobiltelefon soll jeder Drohnenpilot eine Chipkarte in seinem Fluggerät anschalten, bevor ein Start technisch überhaupt möglich ist.

Die Modellpiloten machen dagegen nun ihrerseits mobil. Sie haben eine Online-Petition unter dem Motto: „Hände weg von meinem Hobby“ ins Leben gerufen.