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Historisches Areal Jüdischer Friedhof in Wildeshausen exakt vermessen

Von Thomas Breuer | 01.09.2019, 18:40 Uhr

Angehende Vermessungstechniker waren auf dem historischen Jüdischen Friedhof in Wildeshausen tätig.

Auszubildende des Landesamts für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) haben den jüdischen Friedhof an der Delmenhorster Straße in Wildeshausen vermessen. Die Ergebnisse wurden jetzt an den Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen abgegeben. Die digitale Karte vom Friedhof kann so auf der Internetseite des Verbandes für alle Interessierten präsentiert werden.

Angehende Vermessungstechniker aktiv

Im Zuge eines Ausbildungsprojektes haben Simon Berndmeyer, Mario Joppich, Janis Hillen und Nane Scheffler den historischen Jüdischen Friedhof zentimetergenau erfasst. Die angehenden Vermessungstechniker waren im vergangenen Jahr mehrere Tage vor Ort, um mit modernster Technik die mehr als 80 Grabsteine und die Topographie des 1707 erstmals in Quellen erwähnten Friedhofs zu vermessen. Dabei waren sie eigenständig für die Planung und Ausführung des Projektes verantwortlich.

Interaktiv und internetfähig

Die Daten wurden zu einer interaktiven und internetfähigen Karte aufbereitet und mit Fotos der Grabsteine versehen. Zusätzlich wurde dem Vertreter vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen im Katasteramt eine ausgedruckte Karte übergeben.

Mehr Informationen:

Der jüdische Friedhof in Wildeshausen wird seit 1707 in Quellen erwähnt. In diesem Jahr hatte Wolff Levi von der Stadt ein Stück unfruchtbares Land vor den Stadttoren gekauft und dort sein verstorbenes Kind beigesetzt.Auf dem Friedhof wurden in der Folgezeit die in Wildeshausen und Umgebung verstorbenen Juden beigesetzt, insbesondere aus Harpstedt (Beisetzungen zwischen 1711 und 1907) und aus Kirchhatten (zuletzt 1888) und bis 1848 auch von den Juden aus Delmenhorst, Ganderkesee und Berne. Zwischen den Juden dieser Orte bestanden enge verwandtschaftliche Beziehungen.Während des Zweiten Weltkrieges wurden auf dem Friedhof mehrere russische Kriegsgefangene beigesetzt. Ein Gedenkstein erinnert an sie mit der Aufschrift: „Hier ruhen ausländische Kriegstote. 1939-1945. Den Toten zur Ehre – den Lebenden zur Mahnung“.Nach 1945 wurde der in der NS-Zeit geschändete Friedhof wieder hergerichtet. Es sind 86 Grabsteine aus den Jahren 1787 bis 1919 erhalten. Zu Schändungen des Friedhofes kam es unter anderem 1993 und am 30. Mai 1999 sowie Ende August 2013. Um die Pflege des Friedhofes kümmerte sich bis 1953 die Stadt, um 1971 der Verein der Jungen Briefmarkenfreunde, seit 1979 der Kreisjugendring. Größere Instandsetzungsarbeiten wurden 1950, 1961, 1875 und 1999 durchgeführt.Quelle: http://www.alemannia-judaica.de/wildeshausen_friedhof.htm

Vielfältige Dienstleistungen

Zum Hintergrund des Projektes: Das Katasteramt stellt neben dem Amtlichen Liegenschaftskatasterinformationssystem weitere grafische Anwendungen für Bürger, verschiedene öffentliche Stellen oder auch gewerbliche Nutzer zur Verfügung. Diese Informationssysteme müssen ständig betreut und regelmäßig aktualisiert werden.

Neue Azubis für 2020 gesucht

Für diese Aufgaben stellt das Katasteramt jedes Jahr junge Menschen ein, die sich gerne mit Computern und multimedialen Technologien beschäftigen, die Mathematik und Informatik mögen und frische Luft nicht scheuen.

Auch für den Ausbildungsstart 2020 werden noch Bewerbungen bis zum 30. September angenommen. Weitere Informationen gibt es direkt beim Ausbilder Hermann Müller unter der Telefonnummer (04431) 73798-22.