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Jürgen Raem legt 2962 Kilometer zurück Mit dem Fahrrad von Rethorn bis nach Istanbul

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 01.07.2016, 18:36 Uhr

Prag, Budapest, Bratislava, Belgrad, Sofia und Istanbul: Überall dort ist Jürgen Raem im Juni gewesen – mit dem Fahrrad. Der Rethorner schwärmt von Land und Leuten sowie von einem großen Naturerlebnis.

25 Tage lang habe er nur Gegenwind gehabt, aus Süd-Ost, sagt Jürgen Raem. Zudem sei es zeitweise 35 bis 40 Grad heiß gewesen. Trotzdem habe er bis zum Ende durchgehalten, berichtet der 73-jährige Rundfunk- und Fernsehtechnikermeister. Raem ist soeben von einer 30-tägigen Radtour heimgekehrt. Exakt 2962 Kilometer sei er ab Rethorn gefahren, von einer Hauptstadt zur anderen: über Prag, Budapest, Bratislava, Belgrad und Sofia bis nach Istanbul. Von dort aus sei er schließlich nach Bremen in heimische Gefilde zurückgeflogen – glücklicherweise kurz vor dem verheerenden Terroranschlag am Istanbuler Flughafen.

Fast ausschließlich freundliche Menschen kennengelernt

Raem könne es nicht begreifen. Überall in der Welt, stellt er konsterniert fest, schlügen sich die Menschen die Köpfe ein, brächten einander um. Dabei habe er, wohin er auch gekommen sei, fast ausschließlich freundliche Menschen erlebt.

Siebte große Fahrradtour

Und Raem ist weit herumgekommen. Die „Hauptstadt-Rundreise“ aus dem diesjährigen Juni ist bereits seine siebte große Fahrradtour gewesen. Vorherige Fahrten führten ihn zum Nordkap, nach Gibraltar, nach Sizilien, nach Athen, nach Island und – über Moskau und St. Petersburg – nach Helsinki. Wie immer habe er Land und Leute genossen. Schon die ersten Etappen seien ein wahrer Genuss gewesen. Sie führten Raem entlang des Weser-Radwegs über den Aller-Radweg zu jenem der Elbe und weiter über den „grünen Weg“ von Prag bis nach Bratislava. „Es war ein großes Naturerlebnis“, fasst er zusammen und schwärmt unter anderem von den Sonnenblumenfeldern in der Türkei.

Viel Arbeit für wenig Lohn

Doch so schön es auch andernorts in Europa sei, habe er doch wieder einmal festgestellt, wie gut es den Deutschen gehe. So seien ihm auf seiner Tour, etwa in Ungarn und Serbien, Leute begegnet, die wenigstens 60 Stunden pro Woche arbeiteten und doch mit nur rund 500 Euro pro Monat hinkommen müssten. „Wir leben dagegen im Überfluss“, stellt Raem klar.

Erstmals mit Pedelecs unterwegs

Erstmals habe er sich für die Radtour eines Pedelecs bedient, kommt er zu seiner Ausrüstung zu sprechen. Allerdings habe er, schon um den Akku zu schonen, den elektrischen Hilfsmotor immer erst zur zweiten Hälfte eines Tages eingeschaltet und dann auch nur auf der schwächsten Stufe. Dank eines kleinen Anhängers habe er rund 20 Kilogramm Gepäck dabei gehabt und sei im Schnitt etwa 100 Kilometer pro Tag gefahren. Übernachtet habe er in Hotels.

„Istanbul werden wir diesmal auslassen“

Dass er noch einmal eine vergleichbare große Fahrradtour antreten wird, glaubt Raem nicht, kann sich indes schon wieder Fahrten über die Dauer „langer Wochenenden“ vorstellen. Kurzfristig allerdings verfolgt er einen anderen Reiseplan: Er möchte die komplette Route von Hauptstadt zu Hauptstadt noch einmal fahren – diesmal allerdings zusammen mit seiner Frau im Wohnmobil. „So machen wir das nach jeder meiner Radtouren“, sagt er und fügt ein wenig traurig hinzu: „Aber Istanbul werden wir vorsichtshalber auslassen.“