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Kabarett in der Oberschule Schmidtke brilliert in Ganderkesee mit „Hetzkasper“

Von Alexander Schnackenburg | 24.10.2015, 10:04 Uhr

Der Kabarettist Henning Schmidtke brillierte am Donnerstagabend in der Oberschule sowohl musikalisch als auch mit filigranem Humor. Dazu musste er noch nicht einmal sprechen.

Wer ins Kabarett geht, der sollte auch über sich selbst lachen können. Das Publikum in der Oberschule Ganderkesee war diesbezüglich am Donnerstagabend gleich zu Beginn gefordert. Denn da blickte Alleinunterhalter Henning Schmidtke kurz ins Auditorium, um sodann trocken festzustellen: „Wie ich sehe, sind auch einige dabei, für die Burnout nicht mehr so das Thema ist.“ Allemal eine gekonnte Einleitung in das Programm „Hetzkasper – zu blöd für Burnout“ und zugleich ein erstes Indiz dafür, dass es dieser Mann versteht, den Finger in die Wunde zu legen – in diesem Fall bei der Altersstruktur des Publikums.

Runder Kabarett-Abend

Wie ernst es der Kabarettist mit seinem Credo, man möge sich nicht abhetzen, meint, konnten die Zuschauer zu diesem Zeitpunkt indes bereits buchstäblich an der Uhr ablesen: Schmidtke war ein paar Minuten zu spät zu seinem Auftritt in der mit rund 80 Gästen gefüllten Aula erschienen.Er entschädigte seine Gäste mit einem in vielfacher Hinsicht runden Kabarett-Abend, für welchen er inhaltlich Triviales, etwa hoch versierte Imitationen Udo Lindenbergs und Herbert Grönemeyers, mit Tiefgründigem und Schwerwiegendem verwob: beispielsweise mit der feindseligen Haltung vieler Deutscher gegenüber Flüchtlingen oder auch Benjamin Franklins ganze Gesellschaften prägender Formel „Zeit ist Geld“.

Großer Feind der Kreativität

Der Kabarettist sieht hinter derartigen Leitsätzen nicht nur den größten Feind der Kreativität, sondern gar eine menschenverachtende Philosophie. Eine Leistung sei das, was er dazu erkläre, nicht, wie in der Physik, Arbeit geteilt durch Zeit – und schon gar nicht das, was die vermeintlichen „Leistungsträger“ unter dem Begriff verständen: das „Verdienen“ oder bloße Horten von Geld.

Kleine humoristische Einlagen

Mit ungemein viel Fingerspitzengefühl versteht es Schmidtke in seinem neuen Programm, derartige Kampfansagen an das Establishment zugleich ungeschminkt auszustellen und mit kleinen humoristischen Einlagen so aufzulockern, dass der Zuhörer die Botschaft in ihrer ganzen Tragweite schluckt und sich auch noch blendend unterhalten fühlt – selbst dann, wenn der Kabarettist zur Untermauerung seiner Thesen gar nichts sagt.

Hintersinniger Humor und feines Spiel

In Ganderkesee schwieg Schmidtke zwischendrin etwa eine Minute am Stück. Andernorts, behauptete er, habe er das Experiment auch schon einmal zehn Minuten durchgezogen. Dann aber habe eine Zuschauerin eingewandt: „Das habe ich zu Hause auch.“ Gleich, ob die Anekdote stimmt oder nicht: Sie charakterisiert den hintersinnigen Humor und das feine Spiel dieses Kabarettisten mit seinem Publikum in trefflicher Weise.