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Kabarett in Ganderkesee Twitternder Luther würde Trumps Lügen entlarven

Von Dirk Hamm | 19.05.2017, 14:36 Uhr

Ob wir es wollen oder nicht: In uns allen steckt ganz viel Luther, auch wenn wir Katholiken oder Atheisten sind. Davon ist jedenfalls der Kabarettist, Schriftsteller und Geschichtsjournalist Sebastian Schnoy überzeugt.

In der Mensa am Steinacker präsentierte er am Donnerstagabend sein Programm „Luther war ein Blogger“. Dem Hamburger gelang dabei ein seltener Coup: Er schaffte es, geschichtlich-kulturelle Betrachtungen von einiger Relevanz auf überzeugende Weise humoristisch zu verpacken. Knapp 40 Besucher genossen einen ebenso vergnüglichen wie erhellenden Blick in die deutsche Seele.

Politisch unkorrekt und nicht auf den Mund gefallen

Dabei ließ sich Schnoy in seinen Gedankengängen von politischer Korrektheit keine Fesseln anlegen. Überhaupt ist er nicht auf den Mund gefallen, und nicht ohne Stolz berichtete er davon, auf dem Kreuzfahrtschiff MS Europa nicht mehr auftreten zu dürfen. Dabei hat er doch nur eine augenscheinliche Wahrheit ausgesprochen: „Wer dort auf das Pooldeck kommt, hat den Eintritt für die ‚Körperwelten‘ gespart.“

Zuschauer mit Zitate-Quiz mit einbezogen

Die Zuschauer wurden in das Programm mit einbezogen, etwa beim fröhlichen Zitate-Quiz: Hat es Luther gesagt oder nicht? Zum Beispiel: „Eine Lüge ist wie ein Schneeball. Je länger man ihn wälzt, desto größer wird er“ – ja, das hat Luther gesagt. Und würde der Reformator heute leben, laut Schnoy würde er solche Sätze Donald Trump via Twitter entgegenschleudern.

Auch die Schattenseiten Luthers nicht ausgespart

„Wir machen jetzt all die harten Fässer auf“, kündigte der Kabarettist im zweiten Teil an. Und in der Tat kamen auch einige Schattenseiten von Luthers Wirken zur Sprache, etwa die verbalen Ausfälle des Reformators gegen Juden und Türken.

Luther, Müsli und Nordic Walking hängen zusammen

Vor allem eine Prägung, die Luther den Deutschen verpasst habe, nahm Schnoy immer wieder aufs Korn: Wir lieben es, sinnlose Dinge bis zum bitteren Ende durchzuziehen. Als Beleg führte er unter anderem die Freudlosigkeit des Müsli-Verzehrs und die Hartnäckigkeit des verbissenen Nordic Walkers ins Feld.