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Kampf gegen Alkoholsucht gewonnen Ganderkeseer nach Filmriss seit 40 Jahren trocken

Von Thomas Deeken, Thomas Deeken | 07.08.2017, 09:33 Uhr

Früher war der Ganderkeseer Hartmut Schneider viele Jahre alkoholsüchtig. Nach einem Filmriss fiel die Entscheidung, keinen Alkohol mehr anzurühren. Er schaffte es: Seit 40 Jahren ist er trocken.

Wie unzählige Male zuvor war Hartmut Schneider auch am 12. Januar 1977 auf dem Weg von der Arbeitsstelle in Delmenhorst zu seiner Familie in Ganderkesee noch einmal eingekehrt, um sich ein paar Biere und Schnäpse zu genehmigen. An zahlreichen Tagen kam er reichlich angetrunken nach Hause. Doch dieses Mal war es schlimmer: „Ich hatte plötzlich einen kompletten Filmriss. Ich wusste nicht mehr, wie ich nach Hause gekommen bin“, sagt der Ganderkeseer. Das war für ihn der Zeitpunkt, dem Alkohol ade zu sagen. Und es gelang ihm: Seit 40 Jahren ist der inzwischen 80-Jährige trocken – genauso lange wie seine Frau Ruth, die zwar nur ab und zu mal ein Gläschen trank, aber damals ebenfalls beschloss, keinen Alkohol mehr anzurühren. Am Montag, 7. August, werden sie dafür von den Ganderkeseer Guttemplern geehrt.

Schon in der Jugend viel getrunken

Alkohol hatte bei Hartmut Schneider früher immer eine Rolle gespielt: in der Jugend nach gewonnenen Faustball-Spielen, auf der Tour mit Kegelfreunden, um sich Mut anzutrinken, um Mädels kennenzulernen, und später auf dem Nachhauseweg von der Arbeit. „Da wurde schnell mal eine ganze Flasche Schnaps ausgetrunken“, erinnert sich Schneider, dessen Ehefrau immer sehr geduldig war. „Er war ja nie aggressiv. Im Gegenteil: Er wurde immer ruhiger. Und Geldprobleme hatten wir wegen des Alkohols auch nicht“, erläutert die 79-jährige. Aber als es Mitte der 70er-Jahre immer schlimmer wurde, fiel die Entscheidung: „So geht es nicht mehr weiter.“

Zur Entgiftung ins Krankenhaus

Schneider ging zu den Anonymen Alkoholikern, war aber in Gedanken immer in der Kneipe, so der Ganderkeseer. Zwar gelang es ihm, auch mal vier Wochen lang nichts zu trinken. Doch dann kam der Rückfall beim Bierchen mit Freunden in Burhave. Daraufhin ging es mit der Trinkerei kontinuierlich weiter – bis zum Filmriss. Die Folge: ab zur Entgiftung ins Delmenhorster Krankenhaus.

„Wie ein zweiter Geburtstag“

„Das war für mich wie ein zweiter Geburtstag“, so der Ganderkeseer. Denn in der Klinik hatte er Zeit, über sich nachzudenken. So entschloss er sich, künftig auf Alkohol zu verzichten. Und dieses Mal schaffte er es tatsächlich. „Es ist mir danach nie mehr schwergefallen, nichts mehr zu trinken“, erklärte Schneider – auch nicht beim Fasching, bei Silberhochzeiten und anderen Feiern. „Ich habe allen offen und ehrlich erklärt, dass ich keinen Alkohol mehr anfasse.“ Und das wurde so von Freunden und Bekannten akzeptiert.

Ganderkeseer Guttempler gegründet

Parallel zu dieser Entscheidung schlossen sich die Schneiders den Guttemplern an – zunächst denen in Stickgras, danach gründeten sie im Juli 1978 die Ganderkeseer Gemeinschaft, der sie bis heute treu geblieben sind. Regelmäßig besuchen sie die Gesprächsgruppe, die montags von 20 bis 22 Uhr im Trend an der Bergedorfer Straße zusammenkommt. „Dort geht es in den Gesprächen nicht nur um Alkoholsucht. Wir reden auch über Hobbys, Garten und Politik“, erklärt Ruth Schneider, die gerne die Türen für weitere Mitglieder öffnet.