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Kampf gegen plötzlichen Herztod Spitzenplatz für Lebensretter im Landkreis Oldenburg

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 20.07.2017, 17:44 Uhr

Immer häufiger wird im Landkreis Oldenburg durch Wiederbelebung der Wettlauf mit dem plötzlichen Herztod gewonnen. Das Ersthilfe-System wird ausgebaut.

Der plötzliche Herztod ist nach wie vor die häufigste Todesursache in Deutschland. Wiederbelebung ist möglich und dank Fortschritten im Rettungswesen immer häufiger erfolgreich: Laut Dr. Peter Günther, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Oldenburg, haben im letzten Jahr 40 von 103 reanimierten Personen das Krankenhaus lebend erreicht.

Platz acht im Bundesvergleich

Den Wert von 38,8 Prozent nennt Günther „exzellent“, zumal die geschulten Rettungskräfte im ländlich geprägten Kreis vergleichsweise weite Wege von ihren Standorten zu den Einsatzorten und dann in die Krankenhäuser zurücklegen müssen. Die Statistik platziert den Landkreis im Reanimationsregister, an dem sich der Landkreis Oldenburg seit 2015 beteiligt, auf Rang acht unter bundesweit 168 teilnehmenden Rettungsdienstbereichen.

Schnelle Hilfe entscheidend

„Die ersten Minuten sind beim Herz-Kreislauf-Stillstand entscheidend“, stellt der Rettungsdienstleiter klar. Er bedauert es deshalb, dass allzu viele Menschen Angst davor haben, eine Herz-Lungen-Wiederbelebung so lange zu übernehmen, bis der Rettungsdienst eintrifft. Günther weist darauf hin, dass der Ersthelfer unterstützt wird. Wer den Notruf 112 wählt, erreicht den Disponenten in der Großleitstelle, der mit dem ersten Handgriff den Rettungsdienst auf den Weg schickt. Außerdem ist der Disponent darin geübt, auch Laien die Anweisungen präzise zu übermitteln, die Sterbende ins Leben zurückholen können.

Smartphone als Lebensretter

Der Landkreis arbeitet daran, in naher Zukunft den Reanimationswert auf über 40 Prozent zu treiben. Die ebenfalls 2015 gebildete „Gesundheitsregion“ mit den Nachbarstädten und -kreisen will Günther zufolge noch in diesem Jahr entscheidend weiterkommen mit dem Projekt „First Responder“. Der Rettungsdienstleiter schildert den Ablauf, wenn das System eingeführt ist: Noch während der „112“-Disponent den Rettungsdienst auf den Weg schickt und die alarmierende Person zu den richtigen Handgriffen der Wiederbelebung anleitet, werden automatisch geschulte Ersthelfer über Smartphone und App in Bewegung gesetzt, die sich in der Nähe des Notfallortes befinden. „Ein First Responder übernimmt die Reanimation, der andere schafft einen Defibrillator herbei“, so Günther. Begonnen werden soll mit vorgebildeten Personen wie Polizisten, Feuerwehrleuten und Krankenschwestern, dann sollen auch Laien eingearbeitet werden. 1000 First Responder sind das Ziel.

Defibrillatoren gewinnen an Bedeutung

Mit den First Respondern gewinnen auch die vielerorts schon stationierten Defibrillatoren an Bedeutung. Es sei notwendig, alle Standorte zu erfassen und die Geräte zu überprüfen, erläutert Günther. In den Gemeinden, auch in Ganderkesee, ist dafür schon Vorarbeit geleistet worden (Kasten).

Im Landkreis Oldenburg wird auch nicht an der Ausstattung des Rettungsdienstes gespart. In der Rettungswache Hude nimmt die Johanniter Unfallhilfe am Freitag, 21. Juli, einen neuen Rettungswagen in Dienst. Die Anschaffung hat rund 200.000 Euro gekostet.