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Kinderbetreuung in Ganderkesee Tagespflegeplätze reichen nicht für die Nachfrage

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 07.06.2016, 08:40 Uhr

Claudia Siemers nimmt als Selbstständige in Ganderkesee täglich Kinder in Tagespflege. Die Nachfrage nach freien Plätzen übertrifft das Angebot.

Claudia Siemers geht auf in ihrer Tätigkeit als Tagespflegemutter. „Es gibt keine reineren Charaktere als die der kleinen Kinder“, sagt die Ganderkeseerin mit Blick auf die Kinderschar, die Eltern ihrer Obhut überlassen haben. „Ich liebe alle meine Kinder“, berichtet sie begeistert, „und jeden Tag zeigen mir die Kinder, dass sie mich auch lieb haben.“

Wertvolles Angebot

Hildegard Schmitz-Neumann, Nicole Lüschen oder Claudia Zuchgan vom Familien- und Kinderservicebüro im Jugendamt des Landkreises Oldenburg schauen regelmäßig in Siemers’ Kindertagespflegestelle an der Gustav-Weißkopf-Straße am Rande des Gewerbegebiets Westtangente in Ganderkesee vorbei. Das ist einerseits Kontrolle, ob alles in rechten Bahnen läuft, aber auch eine Gelegenheit zum fachlichen Informationsaustausch. „Das ist kein Nebenbei-Mitlaufen von Kindern mehr“, betont Schmitz-Neumann, „die Tagespflege ist in den letzten 15 Jahren ganz klar an Wert gestiegen.“

Nachfrage übertrifft Angebot

Das hat sich auch bei den anspruchsvoller gewordenen Eltern herumgesprochen. Die Nachfrage nach freien Plätzen übertreffe das Angebot, berichtet Schmitz-Neumann. Kreisweit gebe es 123 Kindertagespflegepersonen, 19 davon in Ganderkesee. „Hier betreuen aber nur elf Personen wirklich“, ergänzt die Mitarbeiterin des Jugendamts, die anderen seien aus familiären oder sonstigen Gründen passiv. In Hude seien elf von 14 Tagespflegestellen aktiv, in Harpstedt alle vier.

Qualität und kleine Gruppen

Tagespflegemutter Siemers stellt klar, dass sie und ihre Kolleginnen auf der Grundlage einer fundierten Qualifizierung nach einheitlichen Kriterien als Selbstständige arbeiten. Eltern schätzen ihr zufolge die Arbeit in kleinen Gruppen mit maximal fünf Kindern gleichzeitig und maximal acht Kindern pro Tag sowie die flexiblen Betreuungszeiten, die auch mal eine Nacht oder ein Wochenende umfassen können. Siemers hat errechnet, dass für sie sechs Euro pro Betreuungsstunde auskömmlich sind. Der Landkreis Oldenburg übernimmt nicht nur einen Teil der Ausstattungskosten, er schießt auch 4,50 Euro pro Stunde zu, holt sich aber einen Teil des Zuschusses einkommenabhängig von den Eltern zurück.

Kinder lernen von Kindern

Siemers hat die erste Tagespflegegruppe vor sechs Jahren um ihre damals einjährige Tochter aufgebaut. Heute unterstützt das Schulkind die Mutter immer wieder einmal bei der Betreuung der Kleinen. „Es ist unglaublich, wie schnell Kinder voneinander lernen“, freut sich Siemers.