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Muss zum Therapeuten Kinderpornos verbreitet: Bewährung für Großenkneter

Von Ole Rosenbohm | 14.10.2019, 21:54 Uhr

Polizisten haben bei einem Mann 966 Dateien, die Jugendliche im Alter von 14 bis unter 18 Jahren in pornografischen Handlungen oder Posen zeigen, gefunden. In vier Fällen soll er einige von ihnen auch weiterverbreitet haben. Nun muss er sich vor Gericht verantworten.

Als die Polizei vor seiner Tür in Großenkneten stand, machte der Mann das offensichtlich Beste für ihn: Er gab sich laut den Protokollen der Beamten kooperativ, führte sie zu allen Datenträgern und erneuerte nun in der Amtsgerichtsverhandlung am Montag in Wildeshausen ein umfassendes Geständnis, das nur wenige Fragen offen ließ. Sein Lohn für die Einsicht: eine milde Strafe für Verbreitung und Besitz von Kinder- und Jugendpornografie.

Freiheitsstrafe zur Bewährung auferlegt

Die Richterin verurteilte den 46-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die sie aber zur Bewährung aussetzte. Zu den für seine Freiheit unerlässlich zu erfüllenden Auflagen gehört eine Zahlung von 2000 Euro an den Kinderschutzbund. Zudem muss sich der Mann in fünf Sitzungen mit einem Therapeuten nach pädophilen Neigungen begutachten lassen. Stellt der Therapeut in diesen Gesprächen solche Neigungen fest, verfügte die Richterin, muss sich der Angeklagte im Anschluss an die Gespräche einer Therapie unterziehen.

Hunderte Dateien gefunden

Pädophile Neigungen dürften möglich sein: Die Polizisten fanden auf den bei der Hausdurchsuchung beschlagnahmten zwei Laptops, einem PC, diversen Festplatten und Smartphones laut Anklage die Masse von 229 Dateien mit kinderpornografischen Videos und Bildern sowie 966 Dateien, die Jugendliche im Alter von 14 bis unter 18 Jahren in pornografischen Handlungen oder Posen zeigen. Daneben wurde dem Großenkneter nachgewiesen, dass er in vier Fällen kinder- und jugendpornografische Videos oder Bilder in Chats oder Foren hochgeladen hatten – unter anderem in einer WhatsApp-Gruppe.

Zeugen müssen nicht aussagen

Die Verhandlung vor dem Amtsgericht dauerte keine Stunde. Weil der Angeklagte alle Taten zugab, mussten keine Zeugen gehört werden, insgesamt konnte die Beweisaufnahme knapp ausfallen. Das wirkte sich ebenso strafmildernd aus wie sein dokumentiertes kooperatives Verhalten gegenüber der Polizei und sein leeres Vorstrafenregister. Er habe, sagte der 46-Jährige, sich eigentlich für Pornografie mit Erwachsenen interessiert, sei in die Sammelei der verbotenen Dateien „hineingeschlittert“, ergänzte sein Anwalt. Er sei nicht mehr in der Lage gewesen, dort aus eigener Kraft herauszukommen, obgleich er um die Strafbarkeit seines Tuns gewusst hatte: „Am Ende war er erleichtert, dass es vorbei war.“ Auf die Spur des Mannes war die Polizei gestoßen, als sie bei Ermittlungen in einem anderen Fall auf die fragliche WhatsApp-Gruppe und damit auf eine seiner Nummern stieß.

Die Richterin übertraf mit ihrem Urteil den Antrag der Staatsanwältin um zwei Monate. Als strafverschärfend wertete sie, dass der Angeklagte mindestens ein Jahr lang die Chance verpasst hatte, sich seinem Umfeld, bei der Polizei oder wenigstens durch einen anonymen Hinweis zu offenbaren. „Wäre die Polizei an diesem Tag nicht gekommen, wäre es weitergegangen“, sagte sie.