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Kindertagesstätten in Hude Kita-Pläne bedrohen beliebten Spielplatz in Hude

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 05.09.2017, 21:04 Uhr

Der Standort Jägerstraße für eine neue Kita in Hude wird von Anwohnern abgelehnt. Trotz Vorbehalten zeichnet sich im Rat eine Mehrheit für das Projekt ab.

In aller Eile aufgestellte Containerbauten machen es deutlich: So schnell wie möglich braucht Hude eine zusätzliche Kindertagesstätte. In gut zwei Wochen soll der Gemeinderat die Planung entscheidend voranbringen. Der Standort ist allerdings strittig. Der Sozialausschuss ist jüngst mehrheitlich dem Vorschlag der Verwaltung gefolgt, den Neubau für sechs Krippen- und Kindergartengruppen auf den Generationenspielplatz an der Jägerstraße zu setzen. Anwohner protestieren gegen den Verlust großer Teile des in ihren Augen besten und mit 6500 Quadratmetern größten Spielplatzes im Ort Hude.

Grüne bedauern Zeitdruck

„Wir Grünen finden es schade, dass ein so wichtiges Thema mit so viel Zeitdruck behandelt wird. Wir haben im Fachausschuss nicht zugestimmt“, erklärt Ratsfrau Kirsten Neuhaus.

Weichenstellung am 21. September

Angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Rat sagt SPD-Fraktionssprecher Dr. Niels Weller voraus, dass der Verwaltungsvorschlag am 21. September im Gemeinderat eine Mehrheit finden wird, wohl auch mit Stimmen aus seiner Partei. „Es gibt aber noch diverse offene Fragen, vor allem die, ob zu viel Spielplatzfläche zerstört wird“, so Weller mit Blick darauf, dass nach Vorbild der neuen Kita bei der Käthe-Kollwitz-Schule in Delmenhorst eingeschossig gebaut werden soll. Das sei vorteilhaft insbesondere für Krippenkinder und für den freien Zugang nach draußen. Zu befürchten sei aber, dass zerstückelte Spielplatzflächen übrig bleiben.

Treffpunkt für Familien

„Der Spielplatz ist ein beliebter Treffpunkt für Kinder und ganze Familien“, berichtet Anwohnersprecher Carsten Raschen. Vormittags beobachtet er Gruppen aus Kitas und Grundschulen, nachmittags frei spielende Kinder. An den Wochenendtagen breiten den Anwohnern zufolge bei geeignetem Wetter Familien ihre Picknickdecken aus. „Auch Flüchtlingsfamilien haben hier ihren Treffpunkt“, weiß Raschen.

Flächenverbrauch ungeklärt

In Sorge sind die Anwohner auch um die üppigen Bäume und Sträucher. „Hier stehen schon Container für Krippengruppen. Niemand sagt uns, wie viel Grün abgeholzt und welche Fläche für die Kita verbraucht wird“, sagt der Anwohnersprecher. Der Vorschlag, möglichst wenig in die Substanz des Spielplatzes einzugreifen, indem die wildwüchsig entstandene Schotterpiste als Verlängerung der Amselstraße überbaut wird, sei von der Verwaltung nicht berücksichtigt worden.

Alternativstandort aufgespürt

Die Anwohner haben herumgehorcht und dabei einen nach ihrer Überzeugung gut geeigneten Alternativstandort aufgespürt, der von den Neubaugebieten an der Königstraße und der Wilhelmstraße gut erreichbar ist. „Andere Gemeinden planen Kitas gezielt im Zusammenhang mit Baugebieten“, sagt Raschen, „in Hude zählt aber scheinbar nur das Argument ,Nähe zur Grundschule‘“. Das Berufen auf Zeitdruck wegen der Sanierungsbedürftigkeit der Kita Villa Kunterbunt und wegen der befristeten Erlaubnis, Krippenplätze in Containern anzubieten, lässt Raschen nicht gelten: „Die neue Kita muss nicht in zwei Jahren fertig sein. Keine Aufsichtsbehörde wird eine Einrichtung schließen, wenn Hude vorweisen kann, dass schon an einem Neubau gearbeitet wird.“