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Klagen gegen Höchstspannungsleitung 380-kV-Leitung: Ganderkesee hegt neue Hoffnung auf Erdverkabelung

Von Thorsten Konkel, Thorsten Konkel | 26.07.2016, 10:32 Uhr

Gegen den Planfeststellungsbeschluss der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr zum Bau der 380-kV-Höchstspannungsleitung von Ganderkesee nach St. Hülfe gibt es jetzt sieben Klagen.Das hat die Pressestelle des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig gestern ebenso bestätigt wie einen vom Übertragungsnetzbetreiber Tennet zunächst bis zum 30. September freiwillig zugesicherten Baustopp nach Eilanträgen der Kläger. Andernfalls hätte das Gericht einen Baustopp angeordnet.

 Neben Privatpersonen klagen auch der Nabu Niedersachsen sowie der Landkreis Oldenburg gegen die Routenführung der knapp 61 Kilometer langen Höchstspannungsleitung. Vom Gericht sind laut Pressestelle des Bundesverwaltungsgerichts gegenwärtig weder in der Hauptsache noch bezüglich der sechs ebenfalls gestellten Eilanträge Entscheidungen getroffen worden.

Kommunen atmen nach Baustopp auf

Die nun dennoch erreichte Verzögerung des umstrittenen Bauvorhabens bewerten die betroffenen Kommunen trotzdem als durchweg positiv. Und in der Gemeinde Ganderkesee könnte eine Neuauflage von Teilen des Planfeststellungsverfahrens unter günstigsten Umständen sogar die völlige Erdverkabelung bewirken.

13-jährige Planungen für die Trasse

 Mehr als 13 Jahre dauerte das Gerangel um den richtigen Trassenverlauf an, bis die Genehmigungsbehörde Ende März mit ihrem Planfeststellungsbeschluss den Verlauf der jetzt knapp 61 Kilometer langen Stromleitung vorschrieb. Nur rund 18 Kilometer davon entfallen auf insgesamt vier Erdkabelabschnitte.

Die Höchstspannungsleitung mit 380.000 Volt soll Strom aus Windkraftanlagen transportieren und eine Lücke im Stromnetz zwischen Ems und Elbe schließen.

Hoffen in Harpstedt und Ganderkesee

Während die Samtgemeinde Harpstedt laut dem bislang geltenden Beschluss komplett ohne Erdverkabelung auskommen muss, sieht es für Ganderkesee weit besser aus – und es könnte sogar noch besser werden: Nur einen Freileitungsabschnitt bei Strudthafe gibt es nämlich. Und dieser hätte nach Zusagen der Trassen-Antragstellerin Tennet sowie der Landesbehörde trotz des Planfeststellungsbeschlusses sogar schon gegen einen unterirdischen Trassenverlauf ausgetauscht werden können. Allerdings wollte Tennet dafür die Pläne nicht neu auslegen. „Dieser Variante hätten alle davon betroffenen Grundstückseigentümer zustimmen müssen“, erklärt Ganderkesees Gemeindeentwicklungsleiter Peter Meyer. Einer habe allerdings seine Zustimmung verweigert. Der in Rede stehende östlich an der B 213 in Höhe Große Schafheide austretende Freileitungsabschnitt hätte gegen einen westlich an der B 213 verlaufenden Erdkabelabschnitt ausgetauscht werden können.

Komplette Erdverkabelung in Ganderkesee möglich

Sollte das Planfeststellungsverfahren im Zug der Klagen in Teilen vom Gericht kassiert werden, und käme es zu einer Überarbeitung der Pläne, bestünde eine neue Chance, auch diesen Leitungsabschnitt unter die Erde zu bekommen, erläuterte der Gemeindeentwicklungsleiter. Harpstedts Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse verspricht sich durch den vorübergehenden Aufschub mehr Zeit für das Gericht. „Die Sache kann nun in Ruhe geprüft werden, ohne dass andernorts mit Baumaßmaßnahmen gleich Fakten geschaffen werden“, sagt er. Ziel müsse es weiterhin bleiben, auch die Samtgemeinde mit Erdverkabelungsabschnitten zu entlasten.