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Klimawandel: Testgebiet Wildeshausen Auf welche Baumsorten die Landesforsten künftig bauen

Von Thorsten Konkel | 17.12.2018, 08:35 Uhr

Wildeshausen/Landkreis Oldenburg. Um klimaresistentere Arten anpflanzen zu können, experimentiert Förster Eberhardt Guba mit einem besonderen Baum. In Anzucht-Containern warten die Setzlinge auf ihren Einsatz.

Stürme, Dürre, Hitze und Schädlinge haben 2018 die hiesigen Wälder geschwächt und vor allem bei Eichenwäldern zu gewaltigen Verlusten geführt. Doch der Klimawandel hat nicht nur die Eiche, den deutschen Wappenbaum, erreicht. Um weniger vom Klimawandel betroffenen Arten anpflanzen zu können, experimentiert Eberhardt Guba, bei den Niedersächsichen Landesforsten Revierförster, rund um Wildeshausen mit einem besonderen Baum.

Baum des Jahres 2018

Sie gehört zu den Gewinnern des Klimawandels und ist Baum des Jahres 2018 – die Esskastanie. Seit 2014 bereits sät und pflanzt Guba in kleinen Waldlücken seines Revieres Esskastanien-Samen, die er zusammen mit seiner Frau im Wildeshauser Hölscherholz aufgesammelt hat. Seit vier Jahren mischt er Esskastanien auch in größerem Stil den Erstaufforstungen von Trinkwasserschutzwäldern bei.

Folgen des Klimawandel für unsere Baumarten

Der Grund: „Da wir nicht genau wissen, welche Folgen der Klimawandel für unsere Baumarten hat, nutze ich die Chance und pflanze in diese neuen Wälder neben Eichen auch Linden, Flatterulmen und eben auch Esskastanien“, erläutert der Förster die Idee hinter seinem Versuch, den Wald möglichst vielfältig und klimaresistent zu verjüngen.

Sein Augenmerk richtet der Harpstedter Förster auf die Wurzelentwicklung seiner selbst angezogenen Schützlinge. Die Früchte, auch Maronen genannt, sät er im Wald in den Rillen des Mineralbodens. In seinem Gartengewächshaus zieht er dazu Pflanzen in speziellen Containern an. Das muss ganz rasch gehen, damit sich der Erfolg einstellt: „Sobald die Pflanzenwurzel den Grund des Topfes erreicht hat, werden die Sämlinge im Wald ausgepflanzt, damit die Wurzel ungestört weiter wachsen kann“, verrät der Experte.

Empfindlichen Maronen

Lange hat Guba ausprobiert, wie man die empfindlichen Maronen am besten aussäen kann. „Die Baumschulen geben ihr Spezialwissen nur ungern preis, aber letztlich erreicht man das beste Ergebnis, indem man die Maronen bald nach der Ernte aussät – egal ob im Wald oder im Anzucht-Container“, sagt er. Vom diesjährigen warmen Wetter haben seine Esskastanien im Hölscherholz besonders profitiert.

Sie belohnen den Förster mit viel mehr Früchte als gewöhnlich. Im Gewächshaus warten 1000 Esskastanien auf Keimung.