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Kommunalwahl in Ganderkesee Wenig Platz für lokale Themen auf den Plakaten

Von Dirk Hamm | 10.08.2016, 21:50 Uhr

Nicht immer erschließt sich in diesen Tagen dem Wahlbürger, was genau die um die Wählergunst buhlenden Parteien vor der Kommunalwahl am 11. September mit den Slogans auf ihren Plakaten aussagen wollen. „Mehr Ganderkesee“ verspricht etwa die CDU, „Deutschland wird vor Ort entschieden“, verkünden die Freidemokraten, und die Unabhängigen Wähler Ganderkesee (UWG) sprechen die Plattsnacker unter den Einwohnern direkt an: „Dor kannst op af“.

Zwar sind auf vielen Plakaten im Gemeindegebiet auch thematische oder programmatische Aussagen zu entdecken. Dominant sind jedoch die personalisierten Plakate, auf denen die jeweiligen Kandidaten mit einem Porträtbild vorgestellt werden. Eine Ausnahme machen in dieser Hinsicht jedoch die Grünen: „Wir definieren uns nicht über Köpfe, sondern über Inhalte“, erklärt Vorstandsmitglied Volker Schulz-Behrendt.

Und räumt im nächsten Atemzug ein, dass man bei den Grünen vor Ort in dieser Frage „hin- und hergerissen“ gewesen sei. „Die Menschen wollen schon sehen, wen sie wählen“, gibt das Grünen-Ratsmitglied zu bedenken. Letztlich sei es aber beim Prinzip geblieben, auf Themen zu setzen. Und diese in locker-witzige Slogans zu verpacken wie: „Naturschutz: Ja, Klima!“

CDU setzt statt Themenplakate auf Gespräche

Für den genau umgekehrten Weg hat sich die CDU entschieden: Die Ganderkeseer Christdemokraten verzichten nahezu vollständig auf Themenplakate, abgesehen von einigen vom Landesverband vorgegebenen Motiven auf den sogenannten Wesselmännern, den großflächigen Plakaten an verkehrsreichen Stellen. „Wir gehen gar nicht mehr an die Laternenpfähle, weil die vielen Plakate die Leute nerven und überfrachten“, erklärt Cindy Klüner, Vorsitzende der CDU Ganderkesee.

Im Wettstreit um die Wählerstimmen wolle die CDU auf das direkte Gespräch mit den Menschen setzen, so Klüner. Und dabei im Unionstreff an der Rathausstraße oder an den ab dem letzten August-Wochenende aufgestellten Wahlkampfständen abklopfen, wo die Bürger der Schuh drückt.

Wahlkandidaten mit Porträtfotos ins Bewusstsein rücken

Auch bei der SPD herrscht Skepsis hinsichtlich einer „Bepflasterung“ mit Themenplakaten, nicht aber, was die Nützlichkeit der Plakatierung im Allgemeinen betrifft. So prangt die Wahlwerbung der Ganderkeseer Sozialdemokraten laut deren Vorsitzenden Stephan Bosak 950 Mal im Gemeindegebiet. Von thematischen Motiven habe man bewusst Abstand genommen, sagt Bosak: „Das liest doch keiner, der mit 50 oder 70 Stundenkilometern daran vorbeifährt.“ Stattdessen sollen die Kandidaten der SPD für den Gemeinderat und den Kreistag per plakatierten Porträtfotos in das Bewusstsein der Wähler gerückt werden.

Plakatmotive vor Ort aus Vorschlägen der Landespartei ausgewählt

Auch die Freidemokraten setzen überwiegend auf Kopfplakate. Immerhin 100 der 500 in Ganderkesee angebrachten FDP-Plakate sind jedoch Themen gewidmet, etwa folgende Aussage: „Schnelles Internet statt langer Ladezeit“. Zwar handelt es sich auch dabei um eine eher allgemeine Aussage. Die laut der Geschäftsführerin des FDP-Ortsverbands Ganderkesee, Marion Vosteen, aber bewusst für den örtlichen Wahlkampf aus einem Fundus an 20 bis 25 Motiven ausgesucht wurde, die die Landes-FDP vorbereitet hat.

Die Freien Wähler Ganderkesee setzen neben der Vorstellung ihrer Kandidaten ebenfalls auch thematische Schwerpunkte, etwa mit der Forderung „Mehr Polizeipräsenz!“ Möglichst knapp sollten die Slogans gehalten sein, findet Arnold Hansen, 1. Vorsitzender der Freien Wähler: „Wenn mehr als drei Worte darauf stehen, kann sich das niemand merken.“

Linke bislang nicht im Plakat-Dschungel vertreten

Bei der Wahlwerbung der UWG werden die Inhalte ganz individuell mit den jeweiligen Kandidatenporträts verknüpft. „Jeder von uns hat sein Steckenpferd“, sagt der Vorsitzende Dieter Kleesiek, der sich für die Forderung „Verkehrsprobleme! reagieren statt ignorieren“ entschieden hat.

Eine der zur Wahl stehenden Parteien, Die Linke, war bislang im Plakate-Dschungel noch nicht vertreten. Das soll sich ab Donnerstag ändern, 30 bis 40 Plakate der Partei sollen in Ganderkesee aufgehängt werden, kündigte Vivien Sandt vom Kreisvorstand Oldenburg-Land der Linken an.