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Konfirmanden sammeln Spenden Zwei Stunden in der Haut von Straßenkindern

Von Dirk Hamm | 02.09.2017, 19:35 Uhr

Sie verkaufen selbst gebackene Muffins und Kekse aus dem Bauchladen, putzen fremde Schuhe und bitten um eine kleine Spende: Fünf Konfirmanden aus der evangelischen Kirchengemeinde Ganderkesee sind am Samstagvormittag für zwei Stunden in die Haut von Straßenkindern geschlüpft.

„Sichtwechsel – Straßenkind für einen Tag“ heißt das gemeinsame Projekt mit der Kinderhilfsorganisation „terre des hommes“, bei dem in Ganderkesee seit 2008 Konfirmanden mitwirken. Zur Vorbereitung haben sich Dominik, Lennart, Pierre, Paula und Leana, allesamt 13 Jahre alt, bei zwei Treffen im Gemeindehaus mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen von Straßenkindern beschäftigt, außerdem mit den Ursachen, die ihre Altersgenossen in diese Lage bringen.

Passanten über die Not der Straßenkinder aufgeklärt

Am Samstag sprachen die Konfirmanden Passanten teils vor, teils in dem Famila-Markt in Ganderkesee an. Nicht jeder blieb stehen, dennoch füllte sich die Spendendose kontinuierlich im Verlaufe des Vormittags. „Ich habe schon 20 Euro mit Schuheputzen verdient“, freute sich Pierre nach gut einer Stunde.

Ziel der Aktion war es nicht nur, Geld für den guten Zweck einzunehmen, sondern zugleich über die Nöte der Kinder und Jugendlichen, die in vielen Ländern auf der Straße leben, zu informieren. „Viele wussten nichts darüber“, hat Pierre festgestellt.

Erfahrungen der Betroffenen schwer nachzuvollziehen

Vor fremden Menschen niederzuknien, um ihnen die Schuhe zu putzen, das vermittelte ein klein wenig vom Alltag der Straßenkinder. Und dennoch: „So ganz kann man es nicht nachvollziehen, auf der Straße zu leben“, räumte Dominik ein. „Es beeindruckt viele, dass sich Jugendliche für andere Jugendliche einsetzen“, meinte Barbara Wessels, die das Projekt seit vielen Jahren für die Arbeitsgruppe Delmenhorst-Ganderkesee von „terre des hommes“ betreut.

33 Millionen Kinder leben auf der Straße

Nach Informationen von „terre des hommes“ leben schätzungsweise 33 Millionen Kinder weltweit auf der Straße, mehr als doppelt so viele halten sich zudem tagsüber zum Gelderwerb auf Straßen und Plätzen auf. Die Hilfsorganisation unterstützt rund 20 Projekte in Lateinamerika, Asien und Afrika sowie in Deutschland. Die von den Konfirmanden gesammelten Spenden sollen in diesem Jahr dem Straßenkinderprojekt „El Caracol“ in Mexiko-Stadt zugutekommen.