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Kreis sucht Nachwuchs Sitterdienst hilft Pflegenden in Ganderkesee

Von Katja Butschbach | 02.06.2015, 20:43 Uhr

Der Sitterdienst Ganderkesee bringt pflegenden Angehörigen Entlastung. Jetzt wollen die Aktiven das im Kirchenkreis einmalige Angebot bekannter machen.

Im Pflegealltag einmal aufatmen – dies will der Sitterdienst der Diakonie pflegenden Angehörigen ermöglichen: „Viele wissen nicht von uns“, sagt Frank Eden, der bei der Diakonie in Ganderkesee Ansprechpartner für den Sitterdienst ist. „Es muss mehr Bedarfe geben als die, die bei uns auflaufen.“

Das Prinzip des Sitterdienstes, in dem aktuell zehn Sitter aktiv sind, ist simpel: Pflegende Angehörige kontaktieren den Dienst. Ein Ehrenamtlicher kommt dann in die Familie und kümmert sich für ein paar Stunden um den zu Pflegenden. So haben die Angehörigen Zeit für sich.

Singen und spazieren gehen

Bei den Besuchen, erklärt Sitterin Anneliese Frahne, ist es wichtig, darauf zu achten, was den zu Pflegenden wichtig ist. „Es ist sehr schön zu sehen, wie man sie erfreuen kann.“ So wird gesungen, aus dem Kirchenblatt vorgelesen, spazieren gegangen. „Ich habe für mich viel gelernt“, sagt die 88-Jährige. „Auch fürs eigene Altwerden.“

In die Familien gehen die Sitter meist einmal die Woche für zwei bis drei Stunden. Die Angehörigen haben diese Zeit dann für sich. „Frauen können dann endlich mal richtig einkaufen gehen“, sagt Sitter Fritz Hobbensiefken. Andere möchten gerne zum Sport, zu Veranstaltungen, lesen. Eine Familie machte einen Ausflug an die Weser.

Hemmschwelle ist hoch

Angehörige melden sich laut Zita Hobbensiefken oft erst dann, wenn die Pflegesituation schwieriger wird. Manche sagten außerdem, dass für die Pflege schon so viele fremde Menschen ins Haus kommen. „Die Hemmschwelle ist sehr hoch, bevor sie anrufen“, bestätigt Fritz Hobbensiefken.

Pflegerische Tätigkeiten übernimmt der Sitterdienst nicht, erläutert Frank Eden. Das Angebot schließt eine Lücke zwischen den vielen anderen Angeboten für Senioren. Die Menschen, zu denen die Sitter kommen, müssen keine Pflegestufe haben. Bis auf einen Obolus von fünf Euro für die Fahrtkosten ist das Angebot kostenlos.

Ehrenamtliche haben oft selbst Angehörigen gepflegt

Die Menschen, die sich beim Sitterdienst engagieren, haben zuvor oft selbst einen Angehörigen gepflegt, erklärt Eden. Über die Jahre, die der 1996 gegründete Sitterdienst schon aktiv ist, sind laut Eden einige Hundert Familien zusammengekommen, die der Sitterdienst betreut hat. „Ich hätte mir gewünscht, dass es den Sitterdienst früher schon gegeben hätte“, sagt Zita Hobbensiefken, die seit Gründung dabei ist und selbst gepflegt hat.

Der Sitterdienst ist in Kontakt mit anderen Ehrenamtlichen. So verständige man in manchen Situationen den Hospizkreis – und umgekehrt.

Das Angebot, berichtet Eden, gibt es in dieser Form im Kirchenkreis andernorts nicht. Es habe auch schon eine Anfrage eines Filmteams gegeben, das über den Dienst berichten wollte.