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Kritik an Informationspolitik der Gemeinde Anlieger in Sorge um Flüchtlingswohnungen im Gewerbegebiet Hoykenkamp

Von Thorsten Konkel, Thorsten Konkel | 14.06.2016, 22:30 Uhr

Unter Hoykenkamper Gewerbetreibenden macht sich Unmut breit: „Wir fühlen uns überrollt. Wenn die Gemeinde uns rechtzeitig über ihre Pläne informiert hätte, Flüchtlingsunterkünfte in unserem Gewerbegebiet zu errichten, dann wäre die Akzeptanz für das Projekt sicher höher“, sagt Carsten Meinerling.

Der Kfz-Meister sowie Tischler Frank Schweers und Anwohner Carsten Karstädt vertreten nach ihren Angaben viele der Unternehmer im Gerwerbegebiet Hoykenkamp in ihrer Sorge, plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

Pläne weit fortgeschritten

„Die Pläne sind offenbar schon so weit fortgeschritten, dass bereits von einem Einzugstermin zu Weihnachten gesprochen wird“, erläutert Frank Schweers. Doch erst vom Hörensagen hätten die meisten Gewerbetreibenden von dem Bauvorhaben am südöstlichen Ende des Gewerbegebiets, am Ende der Straße Am Buschhhagen, Kenntnis erlangt, beteuert Schweers.

Sicherheitsaspekte nicht berücksichtigt

„Dabei gibt es gute Gründe, hier keine Wohnbebauung vorzunehmen, die Sicherheit der Flüchtlinge, vor allem von Kindern, halten wir hier nicht für gegeben“, macht Meinerling deutlich.

See und Bahnlinie direkt in der Nähe

Direkt in der Nähe liege ein See mit Abbruchkanten, auch die ungesicherte Bahnlinie sei nur einen Steinwurf weit entfernt, zählt Meinerling auf. „Wenn ein Kind die steile Böschung zum See herunterfällt, könnte es ertrinken“, führt Carsten Karstädt an.

Vier Häuser geplant

Nach Auskunft von Ganderkesees Gemeindeentwicklungsleiter Peter Meyer laufen die Planungen für vier Häuser in Holzrahmenbauweise, die bis zu 24 Personen Wohnraum bieten, trotz der derzeit entspannten Flüchtlingslage unvermindert weiter. Laut Meyer gibt es weiterhin Bedarf an derartigen Wohnungen.

Öffentlich-private Partnerschaft

Erstellt werden sollen die Häuser in einer öffentlich-privaten Partnerschaft: Nach Auskunft des Gemeindeentwicklungsleiters auf gemeindeeigenem Grund von einem privaten Investor, der die von ihm gebauten Wohnungen langfristig an den Landkreis als Unterbringungsbehörde vermietet. „Anders als die Mobilhallen böte diese Lösung eine Nutzung über einen längeren Zeitraum“, erläutert Meyer den Vorteil der Lösung, über die schon länger nachgedacht werde.

Vorhaben noch nicht gesichert

Noch sei das Vorhaben aber nicht in trockenen Tüchern. „Das sind noch ungefangene Fische“, umschreibt Meyer den Sachstand. „Wir führen Gespräche, als Nächstes müsste ein Vertrag über die Nutzung des Grundstücks geschlossen werden. Dann könnte der Bauantrag gestellt werden“, erläutert er das Vorgehen.

Unternehmer fordern Integrationskonzept

Für die verblüfften Unternehmer birgt der Standort Am Buschhagen noch einen ganz anderen Grund zur Sorge:: „Hier gibt es keine ausreichende Infrastruktur, keine Einkaufsläden, keine Freizeitmöglichkeiten“, führt Schweers an. Deshalb müsse die Gemeinde ein Integrationskonzept für die Flüchtlinge auflegen, um sie zu beschäftigen.

Lärmschutz ein Problem

Auch langfristig sei der Flecken fürs Wohnen nicht angemessen, wirft Meinerling ein: „Wie sieht es mit dem Lärmschutz aus?“, fragt er. Seine Befürchtung. „Wir Handwerker werfen auch mal früh am Morgen oder am Abend die Kreissäge an, vielleicht wird uns das später noch jemand verbieten“, gibt er zu bedenken.