Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Kunst aus Hude für Dötlingen Dötlinger Urgestein kehrt an Fundort zurück

Von Reiner Haase | 14.04.2015, 16:34 Uhr

Nach zwei Jahrzehnten Exil in Hude kehrt ein Fünf-Tonnen-Findling nach Dötlingen zurück. Wolf E. Schultz hat das Urgestein in ein imposantes Kunstwerk verwandelt.

Die Dötlingen-Stiftung feiert am Sonnabend, 25. April, die Einweihung der Müller-vom-Siel-Kate als Kunst-Treffpunkt am Rittrumer Kirchweg. In die restaurierte Kate aus Fachwerk und Lehm kehren Bilder zurück, die Georg Bernhard Müller vom Siel (1865-1939), der Gründer der Künstlerkolonie Dötlingen, gemalt hat. Eine Rückkehr ganz anderen Kalibers wird vor der Kate gefeiert: Bildhauer Wolf E. Schultz enthüllt die Granit-Skulptur „Die große 500“.

Der Huder Künstler hat die Skulptur vor über 20 Jahren am Fundort am Geveshauser Kirchweg aus einem über fünf Tonnen schweren Findling geschlagen. Der Stein sei Anfang der 1990er Jahre aus dem Geveshauser Kirchweg gewachsen, erinnert Gerti Essing, die Vorsitzende der Dötlingen-Stiftung. Der Geveshauser Kirchweg mündet in den Rittrumer Kirchweg, an dem die Leihgabe des Künstlers auf unbestimmte Zeit auf einem Sockel mit Wasseranschluss ihren Platz findet. Aus dem Stein soll Wasser rinnen, das die Adern des Urgesteins zur Geltung bringt.

Durchbruch im Stein symbolisiert

den künstlerischen Durchbruch

„Dieser Stein macht das Motto der Dötlingen-Stiftung ,Ohne Vergangenheit keine Zukunft‘ deutlich, denn Schultz schuf aus uraltem Material etwas Neues, Lebendiges, was durch das fließende Wasser ausgedrückt wird und andere Menschen anregt“, ergänzt Essing. Für den Künstler hat das Werk noch mehr Symbolkraft: Die Arbeit am Findling war zu seinem 50. Geburtstag das 500. von über 1000 inzwischen entstandenen Werken. Der Durchbruch im Stein ist für ihn ein Zeichen des künstlerischen Durchbruchs. „Solch ein großer von der Natur geschenkter Stein verlangt Respekt und eine gewisse Reife bei der Bearbeitung“, ist Schultz überzeugt. Die Bearbeitung eines Findlings sei deutlich anspruchsvoller und technisch komplizierter als frisch gebrochenes Material aus einem Steinbruch. Die Arbeit habe ihm mental und technisch weitere künstlerische Möglichkeiten erschlossen.

Das Kunstwerk ist gestern von Hude nach Dötlingen transportiert worden. Bei seinem Atelier hat Schultz vergebens auf Käufer gewartet. Nun hofft der Künstler, dass sich unter den Dötlingen-Besuchern für „Die große 500“ ein zahlungskräftiger Liebhaber findet.