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Landkreis Oldenburg Mehr Recht und Schutz für über 100 Prostituierte

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 17.01.2018, 17:14 Uhr

Der Prostitution ist ein neuer gesetzlicher Rahmen gesetzt. Jetzt sind die Landkreis-Behörden für Beratungen, Aufklärungen und Bescheinigungen zuständig.

Vor dem ersten Kontakt mit Freiern eine Beratung im Gesundheitsamt, dann persönliche Gespräche mit abschließender Aushändigung der Anmeldebescheinigung im Ordnungsamt, alles streng vertraulich: So sieht es das neue Prostituiertengesetz vor, und so wird es seit Ende Oktober 2017 bei den Behörden des Landkreises Oldenburg praktiziert. Ihm ist die Ausführung des Gesetzes zugewiesen worden.

21 Frauen erreicht

Bis Weihnachten hatten 21 Prostituierte, allesamt Frauen, einem Bericht der Kreisverwaltung zufolge das vorgesehene Prozedere durchlaufen, durchschnittlich 42 Jahre alt und nahezu Ausnahmslos aus Osteuropa. Verständigungsprobleme wurden von Sprachmittlern gelöst. Die zuständigen Mitarbeiter gehen davon aus, dass knapp 100 weitere Fälle zu bearbeiten sein werden. Festlegen kann sich niemand, denn im Bereich der Prostitution ist die Grauzone groß. Bis Mitte 2018 sollen alle im Kreisgebiet tätigen Prostituierten erreicht worden sein.

Persönlicher Kontakt wichtig

Das Gesetz zielt auf eine bessere Aufklärung der Prostituierten durch persönliche Gespräche und die Verdrängung der Kriminalität aus diesem Bereich ab. Im Gesundheitsamt geht es beratend vor allem um Fragen der Krankheitsverhütung und der Schwangerschaft sowie um die Risiken von Alkohol- und Drogenmissbrauch. Mit bescheinigter Gesundheitsberatung geht es weiter ins Ordnungsamt, wo Grundinformationen über die Rechtslage, zur Steuerpflicht und zur Krankenversicherung, zu Beratungsangeboten und zur ersten Hilfe in Notsituationen übermittelt werden. Auch auf die Kondompflicht – Freiern droht beim Verstoß eine empfindliche Geldbuße – wird hingewiesen.

Betreiber müssen zuverlässig sein

Im ersten Schritt geht es dem Landkreis um mehr Schutz für die Prostituierten. Die Behörden im Kreishaus nehmen jetzt aber auch die Betreiber von Prostitutionsstätten unter die Lupe. Zur Prostitution zur Verfügung gestellte Wohnungen und Love-Mobile müssen Mindestanforderungen aus dem Sicherheits- und Hygienebereich erfüllen. Die Erlaubnis wird nur erteilt, wenn der Betreiber seine Zuverlässigkeit nachweist. Wer zum Beispiel innerhalb der letzten fünf Jahre rechtskräftig wegen eines Verbrechens verurteilt worden ist, darf in der Regel kein Prostitutionsgewerbe betreiben. Die Möglichkeit, sich Freiern anzubieten, wird der Person dagegen nicht genommen.