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Biotop in Gefahr Landtagsabgeordneter Christian Meyer besucht Ahlhorner Fischteiche

Von Niklas Golitschek | 22.09.2019, 15:51 Uhr

Die Niedersäschischen Landesforsten und die Grünen schlagen Alarm: Das Biotop des Naturschutsgebietes Ahlhorner Fischteiche ist in Gefahr. Mit einer Gruppe von Parteikollegen verschaffte sich der Landtagsabgeordnete Christian Meyer nun selbst einen Eindruck.

Christian Meyer will es genau wissen: Was haben die Landkreise Cloppenburg und Oldenburg getan, um den Schutz der Ahlhorner Fischteiche zu gewährleisten? Bei einer Besichtigung des Naturschutzgebietes mit einer Delegation lokaler Parteikollegen kündigte der Landtagsabgeordnete der Grünen deshalb an, eine entsprechende Anfrage an die Landesregierung zu stellen.

Bei dem Treffen wurde allerdings auch deutlich – da waren sich alle einig –, dass es für gutes Zureden eigentlich schon zu spät ist. „Wir haben wenig und schlechtes Wasser“, sagte Jörn Schöttelndreier, Förster für Waldökologie bei der der Niedersächsischen Landesforsten. In 40 Jahren hätten bereits ein Drittel der Teichflächen aufgegeben werden müssen.

Wenig und schlechtes Wasser

Sorgen bereiten der Landesforsten vor allem zwei Punkte. Da wäre zum einen die Fließmenge, wie Schöttelndreier vorrechnete. 2018 seien zwar 4,6 Millionen Liter über die Lethe zugelaufen, gleichzeitig flossen jedoch 6,9 Millionen Liter ab. Ein Aspekt sei dabei, dass das Wasser einiger Teiche höher stehe als der Grundwasserpegel und damit dorthin ablaufe. Bei den Teichen, bei denen der Grundwasserpegel höher liege, werde dieser Verlust aus dem umliegenden Kastental ausgeglichen. Früher seien auch das Feuchtgrünland und die Moore mit ihrer Fähigkeit zum Wasserspeichern dazu in der Lage gewesen. Wegen dieses Wasserverlusts seien teils Abfischungen notwendig gewesen. Inwieweit das mit der umliegenden Trinkwasserentnahme zusammenhänge, sei unklar.

Hinzu kommt ein zu hoher Nährstoffgehalt des Wassers, Stichwort: Nitrat. Pro Hektar hat die Landesforsten 2018 eine Zufuhr von 167 Tonnen (Jahresmittelwert: 37 Milligramm pro Liter) gemessen. Ausgelaufen sind jedoch nur noch 34 Tonnen (5 Milligramm pro Liter). „Das ist eine riesengroße Klärleistung in den Fischteichen“, meinte Schöttelndreier. Doch die restlichen 133 Tonnen pro Hektar und Jahr würden in den Teichen verbleiben – und das sei das Problem. Dabei entsprächen allein die Eintrittsmengen pro Hektar fast der zehnfachen Mange der Erlaubten in der Landwirtschaft, merkte der Landtagsabgeordnete und ehemalige niedersächsische Umweltminister Meyer an.

Neue Pflanzen verdrängen die seltenen

Doch die Strandlingspflanzen benötigten deutlich nährstoffärmeres Wasser. Von einem „gestörten Wasserhaushalt innerhalb der Teiche“ sprach der Experte. Weil sich die Teiche wegen dieser Wasserqualität veränderten, würden sie ganz neue Arten hervorbringen und „die verdrängen die Strandlingspflanzen“.

Eben das beunruhigt die Grünen. Wenn es so weitergehe, seien die Teiche in ihrer Existenz gefährdet. „Wir steuern auf einen dramatischen Zustand hin; es ist jetzt schon dramatisch“, sagte Fabian Wesselmann, stellvertretender Sprecher der Grüne/UWG im Kreistag des Landkreises Cloppenburg. Um das zu verhindern, brauche es nun eine politische Lösung, der verweigerten sich die zuständigen Landkreise bislang jedoch. Auch Reinhold Schütte von den Grünen im Oldenburger Kreistag forderte, einen Maßnahmenkatalog aufzustellen. Die Wirkung mache sich zwar in den Fischteichen bemerkbar, die Ursache komme jedoch von außerhalb – von den Landwirten und deren Düngung.

Lösungen im Blick

Für Christian Meyer war deshalb klar: „Wir müssen die Überdüngung an den Zuflüssen stoppen.“ Das könne auch die Landesregierung anweisen. Deshalb regte er einen Gewässerrandstreifen an. In Baden-Württemberg und anderen Bundesländern dürfen beispielsweise im Bereich von fünf Metern kein Dünge- und Pflanzenschutzmittel eingesetzt oder gelagert werden. Selbst die Nutzung als Ackerland ist seit diesem Jahr in diesem Bereich mit Ausnahmen verboten. Auch eine ökologische Flurbereinigung sei eine Lösung: Bei dieser würden die Landwirte ihre Fläche verkaufen oder tauschen, dann könnten die Gewässerrandstreifen aufgeforstet werden: „Hauptursache ist eine verfehlte Landwirtschaft. Wir brauchen eine bodengebundene Tierhaltung und einen Rückbau – wir haben drei Mal mehr Tiere als Flächen.“