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Landvolk blickt auf Jahr zurück Landwirtschaft 2016: Billige Milch und extremes Wetter

Von Johannes Giewald, Johannes Giewald | 30.12.2016, 07:37 Uhr

Extreme Wetterlagen, sinkende Milchpreise und mehr Einflussnahme in der Politik. Der Vorsitzende des Ganderkeseer Landvolks, Cord Wübbenhorst, hat zum Jahreswechsel mit dem dk über die Themen gesprochen, die die Landwirte in der Region im Jahr 2016 bewegt haben – und welche Perspektiven es für das kommende Jahr gibt.

 Herr Wübbenhorst, was war das brisanteste Thema für die Landwirtschaft in 2016?

Der Milchpreis war extrem 2016. Dieses Jahr war der Milchpreis deutlich unter Erzeugungskosten, das hat uns das ganze Jahr über begleitet. Er ist Anfang des Jahres abgestürzt und hatte seinen Tiefpunkt im Juni mit 20 bis 23 Cent – da lagen wir dann zehn Cent unter Vollkosten. 2016 war für den, der Milch produziert der stärkste Markteinbruch. Da kann man gnadenlos merken, der freie Markt funktioniert zum Wohle des Verbrauchers. Der Verbraucher freut sich, natürlich alles günstig zu kaufen, vom Hackfleisch bis zur Milch.

 Was hatte das für Auswirkungen für die Bauern in Ganderkesee?

Die festen Kosten sind da, die Tiere sind da, das Futter ist da. Du kannst nur aufpassen, dass du deine betrieblichen Kosten im Griff behältst und die Ausgaben auf ein Minimum reduzierst. Aber nicht zum Schaden der Tiere, die Tiere sind das Einkommenspotenzial und die müssen optimal versorgt werden.

 Wie ist für die Märkte die Prognose für 2017?

Der Milchmarkt läuft, die Prognose ist positiv. Wir sind noch nicht in der Kostendeckung, aber die Tendenz geht nach oben. Ansonsten sind die Märkte für 2017 relativ ruhig. Getreide wird nicht zu teuer. Die Eiweißmärkte sind relativ ruhig, Soja und Raps, so dass wir auf der Futterkostenseite nicht mit großen Preissprüngen nach oben rechnen.

 (Weiterlesen: Bauern im Landkreis bei Milchpreisentwicklung optimistischer)

 Welche Themen haben die Landwirte noch beschäftigt?

Im Augenblick ist die Lage wegen der Vogelgrippe natürlich angespannt. Ganderkesee liegt im Sperrgebiet. Es kann genauso hierher kommen, das ist ein Virus, der durch das Wetter begünstigt wird. Das ist sehr ernst.

 Welche Themen waren positiv für die Landwirtschaft im abgelaufenen Jahr?

Die Gemeinderatswahl ist für die Ganderkeseer Landwirte positiv gelaufen. Wir hatten drei Landwirte, die sich aufstellen lassen haben, und auch mit den besten Ergebnissen abgeschnitten haben. Das zeugt daraus, dass der Wähler sagt, Landwirte – gerade die aufgestellten – sind bodenständige, zuverlässige Partner mit einer hohen sozialen Kompetenz und Verantwortung für alle Bürger. Aus landwirtschaftlicher Sicht freuen wir uns natürlich auch, dass wir dadurch in die gesellschaftspolitische Diskussion mit einsteigen. Und dass wir das verzehrte Bild der Landwirtschaft, was teilweise vorherrscht, ein kleines Bisschen geraderücken können.

 Wie war das Wetter im abgelaufenen Jahr?

Aus Wettersicht haben wir schon ein sehr extremes Jahr gehabt in 2016. Wir haben im Frühjahr bei minus zehn Grad und Schnee in den Boden reingedrillt und im Herbst bei 30 Grad geerntet. Wir haben auch in Ganderkesee Starkniederschläge gehabt, wo bis zu 130 Liter auf dem Quadratmeter gefallen sind. Nach hinten raus haben wir vom Ende der Getreideernte bis hin zur Maisernte zu optimalen Bedingungen geerntet. Wir arbeiten ja nach Wetter und dadurch, dass die Maisernte so früh war, hatten dann auch alle Zeit zur Ernteparty zu kommen.

 (Weiterlesen: Ganderkeseer Landwirte feiern Ernteparty)

 Gibt es Veränderung in der Ernährung, die die Landwirtschaft zu spüren bekommt?

Die Ernährung driftet auseinander. Wir haben es mit einem Verbraucher zu tun, der relativ stark beeinflussbar ist und sofort auf Ereignisse jeder Art reagiert. Wir haben zum einen den Einkäufer, der über den Preis kauft und nichts anderes als das Günstigste zulässt. Und zum anderen haben wir den Extremkäufer, der das Besondere einkaufen will. Diese Trends werden von Politik und Medien befeuert. Wir leben in Westeuropa unter sehr hohen Kosten und müssen daher hohe Leistung bringen, ansonsten können wir hier nicht mehr produzieren. Ich kann nicht mit dem Handy bestellen und Wie-zu-Omas-Zeiten-Produziertes haben wollen. Das ist realitätsfern und ungerecht den Produzenten gegenüber.

 Was wünschen Sie sich für die Landwirtschaft 2017?

Vor allem Gesundheit für alle Landwirte und alle Tiere. Das ist für uns die Basis um Leben und Arbeiten zu können. Und ich wünsche mir wirklich, dass sich der Verbraucher bewusst ernährt und auch da keine Extreme zulässt, weil das der größte Baustein für eine gesunde Lebensweise ist.

 Weiterlesen: Getreideernte 2016 enttäuscht Ganderkeseer Landwirte