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Laurentius Hospiz in Falkenburg Hospizleiter: „Sind in der Bevölkerung angekommen“

Von Katja Butschbach | 13.10.2015, 17:11 Uhr

Im Laurentius Hospiz Falkenburg steht ein Leitungswechsel an. Zum Hospiztag am 14. Oktober spricht Andreas Wagner-Neidig über die Entwicklung des Hospizes.

Gut 400 Gäste hat das Falkenburger Laurentius Hospiz seit seiner Eröffnung vor mehr als drei Jahren am 13. Juli 2012 aufgenommen. Das Hospiz habe mit 85 Prozent Auslastung im Grunde eine Vollbelegung, erklärt Einrichtungsleiter Wagner-Neidig. Woher die Gäste kommen, hat sich stark geändert: Waren in der Anfangszeit 90 Prozent der Gäste aus Krankenhäusern , kommt mittlerweile die Hälfte aus dem ambulanten Bereich – Hausärzte und Pflegedienste verweisen ans Hospiz. Auch stammt mittlerweile die Hälfte der Gäste aus der Gemeinde Ganderkesee, nur noch zehn Prozent kommen aus Bremen. Anfangs kam nahezu die Hälfte aus Bremen.

Angehörige mit Betreuung zufrieden

Eine positive Entwicklung für Wagner-Neidig, denn es zeige eins: „Wir sind in der Bevölkerung angekommen.“ Er höre auch ganz oft, dass Menschen über Berichte anderer auf das Hospiz aufmerksam geworden seien. „Die Angehörigen sind in der Regel ziemlich zufrieden mit uns.“

Die Bilanz der vergangenen drei Jahre ist für Wagner-Neidig auch eine Bilanz seiner Arbeit: Er war von Anfang an dabei und verlässt nun das Haus, wird Geschäftsführer des Hospizes St. Peter in Oldenburg. Am Freitag ist sein letzter Arbeitstag in Falkenburg. „Die Aufgaben werden ganz ähnlich sein wie hier“, so Wagner-Neidig. Leicht fällt ihm der Abschied nicht: „Das ist mein Baby hier. Ich habe hier die Möglichkeit gehabt, Hospizarbeit so aufzubauen, wie ich sie mir vorgestellt habe. Das war schon wunderbar.“

Nachfolge ist geregelt

Die Nachfolge ist geregelt: Irene Müller, die bereits die Hospize in Jever und Wilhelmshaven leitet, wird auch das Laurentius Hospiz führen. Monika Ahlers, die in Falkenburg von Anfang an dabei ist, wird kommissarisch die Pflegedienstleitung übernehmen. Stellvertreterin wird Ute Lebert. Zum Team im Haus mit acht Betten gehören 16 Mitarbeiter in der Pflege, ein Sozialdienstmitarbeiter und eine Kraft für die Verwaltung und Koordination des Ehrenamtes. Auch gibt es im Haus eine FSJ-Stelle.

Atmosphäre schaffen, die ein Zuhause gibt

„Ein hohes Maß an Authentizität“ sei wichtig – es sei Aufgabe, eine Atmosphäre zu schaffen, die ein Zuhause biete. Die Mitarbeiter stellten sich auf Gäste und Angehörige ein: So könne die Atmosphäre zeitweise heiter sein und zu anderen Zeiten nachdenklich.

Einige Ziele, die er sich zu Anfang gesetzt hatte, seien erreicht. Das Hospiz habe sich auf die ländlichen Strukturen einstellen und „nicht hinter verschlossenen Türen“ arbeiten wollen. Auch habe er bewusst Kooperationspartner aus der Region gesucht. Die Wäscherei, die Küche, die Apotheken und der Medizinprodukt-Anbieter, von denen das Hospiz versorgt wird, sind hier verwurzelt. Die Netzwerkarbeit gelinge gut. Mit den Hospizdiensten in Ganderkesee und Delmenhorst arbeite man gut zusammen, ebenso mit der Palliativstation Delmenhorst und der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV). Es sei bei allem immer eines deutlich: „Es geht uns um die kranken Menschen.“ Möchte eine Familie einen Sterbenskranken zuhause betreuen und ist damit überfordert, werde nach der besten Lösung für die individuelle Situation geschaut. Die Frage „Was braucht dieser Mensch in dieser Situation?“ stehe im Mittelpunkt.

Flüchtling hilft im Garten mit

Pflegebad und Gartenhaus wurden eingerichtet, Spezialmatratzen wurden angeschafft. Die Gestaltung des gesamten Gartens wurde mit ehrenamtlicher Hilfe – sowohl finanziell als auch praktisch anpackend – ermöglicht. „Wir erfahren unheimlich viel an praktischer Hilfe“, sagt Wagner-Neidig. 18 Ehrenamtliche sind für das Hospiz tätig. Ein Flüchtling mäht zum Beispiel den Rasen. Man könne noch mehr Ehrenamtliche brauchen, meint Wagner-Neidig.

Angedacht ist für die Zukunft eine verstärkte Kooperation mit der Norle – etwa bei Sommerfesten oder der Infrastruktur. „Das wird ein Projekt der kommenden drei Jahre“, so Wagner-Neidig. Über die nächste Zeit im Hospiz macht er sich keine Sorgen. „Die Leute, die vor Ort arbeiten, sollen mutig sein, und weitermachen. Das kriegen die schon hin.“