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Leben retten nach Herzstillstand Mit schnellster Hilfe bei Herzstillstand Leben retten

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 07.09.2016, 17:22 Uhr

Im Kampf gegen den Tod nach Herzstillstand strebt der Landkreis Oldenburg bundesweit eine Vorreiterrolle an. Fördergeld aus Hannover ist schon bewilligt.

Rund 100 Menschen erleiden im Landkreis Oldenburg jährlich einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand. Weniger als zehn Prozent der Betroffenen überleben das dramatische Ereignis. Der Landkreis Oldenburg will die mit viel menschlichem Leid verbundene Statistik deutlich verbessern: Im Verbund mit den anderen Kommunen, für die die Großleitstelle Oldenburg die Rettungseinsätze koordiniert, und mit dem Landkreis Vechta will er das für ganz Deutschland vorbildhafte Modellprojekt „Erleben – Erhöhung der Überlebensraten nach Herzstillstand“ in die Region holen. Das Ziel ist die Lebensrettung in über 40 Prozent der Fälle wie in der Modellregion Tessin in der Schweiz. Oder gar auf über 60 Prozent, das Ergebnis, das in einer Modellregion in den USA erzielt wird.

Ersthelfer schließen Lücke im Rettungssystem

Laut Jörn Kaminski, dem Rettungsdienst-Leiter im Landkreis Oldenburg, geht es darum, die Lücke zu schließen zwischen der Alarmierung und dem Eintreffen des Rettungsdienstes. Trotz gut ausgestatteten Systems dauere es bis zu zehn Minuten, bis der Rettungsdienst beim Patienten eintrifft. In diese Bresche sollen ausgebildete Ersthelfer springen, die sich in der Nähe des Unfallorts befinden. „Jede Minute zählt“, sagt Kaminski, „pro Minute sinkt die Überlebenschance um zehn Prozent.“

Smartphone-App als Herzstück

Herzstück des Lückenschlusses ist eine Smartphone-App. Sie signalisiert der Leitstelle, wo sich die nächstbesten Ersthelfer befinden und wo der nächste öffentlich zugängliche Defibrillator deponiert ist. „Einer wird zum Defi geschickt und zwei zum Patienten“, schildert Kaminski das Vorgehen im Ernstfall. Schnelle, einfach erlernbare Herzdruckmassage und dann der sich selbst erklärende Defibrillator werden lebensrettend eingesetzt, bevor die Profis vom Rettungsdienst eintreffen.

Vom Land unterstütztes Leuchtturmprojekt

Im Laufe des nächsten Jahres soll das Modellprojekt vorbereitet werden. Dabei geht es laut Kaminski vor allem um das Motivieren und Ausbilden der Ersthelfer, die Integration der App ins elektronische System der Leitstelle und die Erfassung der vorhandenen Defibrillatoren. Das Land Niedersachsen nennt das Vorhaben ein „Leuchtturmprojekt“ und hat laut Jürgen Ohlhoff, dem Leiter des Kreis-Gesundheitsamts, die Fördersumme von 100000 Euro schon zugesagt. Der Sozialausschuss des Kreistags empfiehlt, 30000 Euro Zuschuss im nächsten Haushalt zu verankern. Es fehlt nur noch das Ja des Kreisausschusses, der am Montag, 19. September, zusammentritt.