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Lebensbilder: Heinz-Günther Vosgerau Mit Innovationen die Archäologie bereichert

24.04.2015, 18:35 Uhr

Heinz-Günther Vosgerau hat sich als Archäologe für die Erforschung der Heimatgeschichte starkgemacht. 61 Publikationen gehen auf sein Konto.

Die Liste der Publikationen des Archäologen Heinz-Günther Vosgerau umfasst 61 Titel – eine beachtliche Lebensleistung. Dieser produktive Ganderkeseer mit seinen wertvollen Veröffentlichungen erhielt keinen Ehrenteller und keinen Orden. Nicht verwunderlich, weil er sich vehement gegen Entwicklungen stellte, die die kulturgeschichtliche Identität seiner Heimat zerstörten. Damit macht man sich keine Freunde bei Behörden, Politikern und Unternehmern.

Am 21. April 1930 in Bremen geboren, erlebte Heinz-Günther 1945 den Kampf um Ganderkesee und die Zerstörung des Ortskerns mit. Das Gesehene setzte er später in Bildern um, die zum Teil im Heimatkalender Ganderkesee veröffentlicht wurden. Er erlernte den Beruf des Uhrmachers und übernahm das väterliche Geschäft in Ganderkesee.

Besondere Begabung für das Aufspüren von Fundstätten

Schon früh interessierte sich Heinz-Günther Vosgerau für die Geschichte seiner Heimatgemeinde und des Oldenburger Landes. In den 60er Jahren nutzte er eine Ausschreibung des Museums für Mensch und Natur in Oldenburg und wurde dort archäologischer Mitarbeiter. So konnte er seine Neigungen beruflich wahrnehmen. In der Folgezeit entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit mit dem Archäologen Dr. Heino-Gerd Steffens. Vosgerau hatte eine besondere Begabung, archäologische Fundstätten aufzutun. So fand er zwei Fibeln von herausragender Qualität aus der römischen Kaiserzeit ausgerechnet im Bett der Immerbäke in Immer.

Heinz-Günther Vosgerau war Mitglied und langjähriger Schriftführer des Orts- und Heimatvereins Ganderkesee. Er erkundete und schrieb über die Vorgeschichte von Ortschaften der Gemeinde. Sein großes handwerkliches Geschick setzte der passionierte Archäologe bei der Erstellung von Modellen ein, die das Oldenburger Museum bereicherten, aber auch, durch das Modell eines Hügelgrabes, das Heimatmuseum des Orts- und Heimatvereins Ganderkesee in Bürstel. Innovativ waren seine Ideen zum Beispiel für die Herstellung von Lackprofilen und Klimaschränken, außerdem bereicherte er die experimentelle Archäologie. Sein besonderes Interesse fanden Uhren und mittelalterliche Töpferwaren. Ein weiteres Interessengebiet war die Familienkunde.

Mit einem Brandbrief erreichte Heinz-Günther Vosgerau den Erhalt des letzten Hügelgrabs am Flugplatz

Im September 1976 nahm Heinz-Günther Vosgerau mit Dr. Steffens in Ganderkesee an einer Notausgrabung eines rund 4000 Jahre alten Hügelgrabes teil. 1876 waren noch 31 Hügelgräber in der Umgebung des Flugplatzes Ganderkesee vorhanden. Die letzten zwölf, die 1968 noch auf dem Gräberfeld zu erkennen waren, wurden – bis auf eines – bei der Planierung des Flugfeldes entgegen den Bestimmungen des bis 1974 gültigen oldenburgischen Denkmalschutzgesetzes vernichtet. Als das letzte erhaltene Grab weichen sollte, verfasste Vosgerau einen Brandbrief und erreichte, dass das Gelände des Hügelgrabes aus Mitteln der öffentlichen Hand und des Orts- und Heimatvereins Ganderkesee angekauft werden konnte. Letzterer pflegt seitdem die Umgebung des Grabes.

Mir ist eine Führung durch das Lager der archäologischen Funde im Oldenburger Museum in Erinnerung. Das war Heinz-Günther: offen und hilfsbereit für Interessierte, aber immer bescheiden. Noch bis wenige Wochen vor seinem Tod habe ich mir bei ihm Rat und Bücher holen können. Am 12. Juni vergangenen Jahres ist Heinz-Günther Vosgerau in Oldenburg gestorben.