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Lebensbilder: Heinz Huhs (1926-2011) Aufstieg vom Fahrer bis zur Verwaltungsspitze

Von Dirk Hamm | 19.06.2015, 19:04 Uhr

29 Jahre lang hat Heinz Huhs als Gemeindedirektor die Entwicklung von Ganderkesee geprägt. Auch als Dozent hat sich der Verwaltungsfachmann betätigt.

Der Bau des Freibads, der Schulzentren und des Flugplatzes, die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe, der Aufbau der Volkshochschule: All diese infrastrukturellen Weichenstellungen, die Ganderkeseee in den Nachkriegsjahrzehnten entscheidend vorangebracht haben, sind eng mit dem Namen Heinz Huhs verbunden. Der Ganderkeseer stand von 1958 bis 1987 als Gemeindedirektor an der Spitze der Verwaltung seiner Heimatgemeinde.

Heinz Huhs erblickte am 23. Mai 1926 das Licht der Welt. Sein Vater führte einen Friseursalon an der heutigen Rathausstraße. Doch der Filius strebte nach seinem Volksschulabschluss in eine andere Richtung und trat in einer Delmenhorster Kohlenhandlung eine kaufmännische Lehre an. Huhs, der während des Krieges die Offiziersnachwuchsschule in Danzig besuchte, erlebte zum Ende hin die Wirren des militärischen Zusammenbruchs mit. Nach kurzer Gefangenschaft kehrte er zurück ins heimische Ganderkesee.

„Das wäre heute so nicht mehr möglich“

Dort, so erzählt Ingrid Huhs, habe ihr Mann „gleich nach dem Krieg im Rathaus angefangen“. Damals kannte die Handwebmeisterin ihren späteren Mann noch nicht, obwohl sie ebenfalls in der Rathausstraße wohnte. Erst Jahre später lernten sie sich kennen, 1964 wurde Hochzeit gefeiert. 1965 kam Tochter Wiebke, 1970 Sohn Jochen zur Welt.

Im Ganderkeseer Rathaus war Heinz Huhs zunächst als Fahrer beschäftigt, in kurzer Zeit stieg er bis zur Position des Kämmerers auf, dann war er sieben Jahre lang Stellvertreter des Gemeindedirektors Otto Ahlers. 1958 folgte er diesem nach. „Das wäre heute so nicht mehr möglich“, kommentiert Huhs’ Amtsnachfolger Gerold Sprung dessen steilen Aufstieg. Huhs hatte sich nebenbei weitergebildet und ein Studium an der Universität Hagen absolviert, das er als Diplom-Kaufmann abschloss.

Huhs erhielt als erster den Ganderkeseer Ehrenring

Als „intelligent, vorausschauend, aber auch sensibel“ charakterisiert Gerold Sprung seinen Vorgänger an der Verwaltungsspitze. Huhs sei sehr wohl um praktische Lösungen nahe an den Bürgern bemüht gewesen, und dennoch: „Er war kein Kumpeltyp, Anbiederung lag ihm fern.“ Für seine Mitarbeiter sei er eine „absolute Respektsperson“ gewesen. Sein entscheidender Antrieb sei das Gestalten gewesen, um die Attraktivität und Wirtschaftskraft seiner Gemeinde immer weiter zu entwickeln.

Heinz Huhs war es ein Bedürfnis, seinen reichen Erfahrungsschatz als Verwaltungsfachmann weiterzuvermitteln. Nicht erst nach seinem Ausscheiden als Gemeindedirektor entwickelte er hier bemerkenswerte Aktivitäten. So dozierte er an der Verwaltungsschule Oldenburg, und nach der Wende hat er in einem kleinen Ort in Mecklenburg-Vorpommern eine Zeitlang ganz praktisch beim Neuaufbau der Verwaltung assistiert. Huhs’ Faible für die regionale Verwaltungsgeschichte entsprangen mehrere Bücher. Zu seinen Auszeichnungen zählt der Ganderkeseer Ehrenring, den er als erster erhielt.

Heinz Huhs verstarb am 16. Mai 2011 nach kurzer Krankheit.