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Logemanns Vision stößt auf Skepsis Schauspielprojekt spaltet die Bergedorfer

Von Dirk Hamm | 26.09.2017, 20:08 Uhr

Oberammergau in Bergedorf? Diese Vision von Melkhus-Betreiber Gerd Logemann stößt auf wenig Gegenliebe im Dorf.

Bergedorf. Rund 400 Einwohner zählt die kleine, beschauliche Ganderkeseer Bauerschaft Bergedorf. Geht es nach den Vorstellungen von Gerd Logemann, so könnte ein Großteil der Bergedorfer in den kommenden drei Jahren Bestandteil eines großen Schauspielensembles werden: Der Betreiber des Melkhuses Am Alten Kloster plant für das Jahr 2020 die Aufführung eines Laienspiels unter freiem Himmel rund um die Geschichte des Dorfes. Und orientiert sich dabei an einem großen Vorbild: „Wir haben die Passionsspiele in Oberammergau vor Augen.“

Dorfausschuss spricht sich gegen Projekt aus

Dass dann, wie es alle zehn Jahre in dem bayerischen Ort Brauch ist, auch die Bergedorfer Bevölkerung möglichst geschlossen mitwirkt, ist allerdings fraglich. Denn bezüglich des Freilichttheaterprojekts geht ein tiefer Riss durch den Ort: „Der Dorfausschuss unterstützt das Projekt nicht“, erklärte Friedhard Johannes, Vorsitzender des Bergedorfer Dorfausschusses, am Dienstag auf dk-Nachfrage. Im Dorfausschuss sind mehrere Vereine aus dem Dorf vertreten. Es handele sich um einen „Alleingang“ Logemanns, betonte Johannes. Eine Ladung Sand als Freilichtbühne aufzuschütten reiche nicht, um den Ort voranzubringen.

Freilichtbühne auf der Engelswiese

Dessen ungeachtet erhofft sich der Initiator des Vorhabens, dass sich ein Freilichttheater in Bergedorf ähnlich wie das Vorbild Oberammergau zu einem Besuchermagnet entwickeln könnte. Als Bühne soll die Engelswiese neben dem Melkhus dienen. Logemann, der vielen auch als Gästeführer in Mönchskutte bekannt ist, hat dabei keineswegs aufwendige Bühnenbilder im Sinn: „Es soll eine Naturbühne werden, der Blick soll ins Weite gehen. Die Leute sitzen auf Strohballen. Eine Schafherde wird auf der Wiese grasen und ein Mädchen mit langen Haaren spielt Harfe.“

Stück soll sich auch um Grafenmord drehen

Ein idyllisches Szenenbild, das die von Heidepflanzen statt Mais- und Getreidefeldern geprägte Dorfvergangenheit wachrufen soll. „Und es geht um Liebe und Mord“, verrät Gerd Logemann ein Kernelement des noch zu schreibenden Theaterstücks. Gemeint ist die Ermordung des oldenburgischen Grafen Christian im Jahr 1192 in Bergedorf. Als Sühne dieser Tat soll die Kapelle errichtet worden sein, deren Nachbau neben dem Bergedorfer Melkhus besichtigt werden kann.

Logemann hofft auf Fördergelder

Eine Menge Arbeit steht nun vor Logemann, zumal zumindest ein Teil des Dorfes dem Projekt ablehnend gegenübersteht. Somit dürfte es schwierig werden, aus dem Ort genügend Laiendarsteller zu rekrutieren. Daneben sollen professionelle Schauspieler eingebunden werden. Auch liegt noch kein Stück vor, gesucht wird ein Autor, der die Vorlage für das Schauspiel erarbeitet. Ebenfalls ist die finanzielle Frage zu klären: Ein Förderverein müsse gegründet werden, der Fördermittel für das Projekt einwirbt, erklärt Logemann.

Für Vorhaben an vielen Stellen geworben

Der Bergedorfer nutzt bereits jede Gelegenheit, das Theater-Vorhaben vorzustellen und Kontakte zu Unterstützern und potenziellen Mitwirkenden zu knüpfen, so etwa am Montagabend im Kreise des Gemeindekirchenrats, der in Bookholzberg tagte, und jüngst beim „Genuss am Fluss“ in Wildeshausen. Angepeilt werden Fördermittel aus verschiedenen Töpfen, darunter aus dem EU-Programms Leader. Eine konkrete Anfrage hat es bislang noch nicht gegeben, wie Leader-Regionalmanager Norbert Hamann auf Nachfrage erklärte. Denkbar sei eine Förderung, wenn eine Nachhaltigkeit des Projekts, zum Beispiel durch die Weiternutzung der Freilichtbühne für andere Veranstaltungen wie etwa plattdeutsche Stücke, gegeben sei.