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Mängel in der Pflege DRK beklagt mangelnde Wertschätzung der Pflege

Von Reiner Haase | 26.06.2015, 16:15 Uhr

Mängel in der Pflege sind laut DRK unzureichenden Vorgaben geschuldet. In der Kritik stehen besonders die niedrigen Pflegesätze in Niedersachsen.

Niedrige Pflegesätze und Fachkräftemangel setzen Pflegeeinrichtungen stark unter Druck. Der DRK-Kreisvorsitzende Gerold Sprung und Günter Bartels, Geschäftsführer des DRK-Pflegezentrums Bookholzberg, haben am Donnerstag gegenüber den führenden hiesigen Sozialdemokraten deutlich darauf hingewiesen, dass die Bezahlung keineswegs angemessen sein könne und in keinem Verhältnis zu Leistung, Belastung und erforderlichen Kenntnissen stehe. Einrichtungsleiterin Verena Drieling bemängelte, dass die Vorschriften zur Dokumentation immer noch viel zu viel Zeit erfordern, die für persönliche Zuwendung und Gespräche fehle.

500 Euro weniger Verdienst

Der SPD-Landtagsabgeordnete Axel Brammer bestätigte, dass eine Altenpflegekraft in Niedersachsen im Schnitt monatlich fast 500 Euro weniger erhält als Kolleginnen in Nordrhein-Westfalen. Den Heimbetreibern müssten höhere Pflegesätze zugebilligt werden. Die Pflegekassen und die Sozialhilfeträger, die die Pflegesätze aushandeln, hätten aber in Niedersachsen die Löhne erheblich gedrückt. Das habe auch Karl-Josef Laumann (CDU), Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung, bestätigt. Er warne vor den negativen Folgen des Preiskampfes in der Pflege.

Politik will eingreifen

Brammer empfahl den Heimbetreibern der Freien Wohlfahrtsverbände, das sind hier die AWO, die Diakonie, das DRK und die Caritas, die Bildung einer Tarifgemeinschaft, um mit den Gewerkschaften allgemeinverbindliche Tarifverträge abzuschließen. Günter Bartel mahnte dazu die erforderliche Einigkeit an. „Wenn Pflegekassen und Heimbetreibern keine schnelle Lösung gelingt, muss der Bundestag den Ländern Eingriffsmöglichkeiten verschaffen“, betonte die SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag.

Ausbildungsumlage kommt 2016

Nicht alle Pflegeeinrichtungen beteiligen sich an der aufwendigen Ausbildung von Fachkräften. Im Wettbewerb seien Ausbildungsbetriebe gegenüber den nicht ausbildenden Betrieben benachteiligt, stellten Bartels und Sprung fest. Das DRK forderte, alle Betriebe über eine Umlage an den Ausbildungskosten zu beteiligen. Der Landtagsabgeordnete Brammer berichtete, dieser Schritt sei sorgfältig juristisch geprüft worden. Inzwischen habe der Landtag die Wiedereinführung der Ausbildungsumlage beschlossen. Sie trete 2016 in Kraft.

Erfahrung soll Pluspunkt werden

Die DRK-Vertreter forderten die Politiker auf, in den Vorschriften für den Betrieb einer Einrichtung langjähriger Berufserfahrung der Pflegekräfte einen höheren Stellenwert beizumessen. Erfahrung müsse einer Ausbildung gleichgestellt werden.