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Massiver Fachkräftemangel Seniorenheime im Kreis Oldenburg vor Aufnahmestopp

Von Thorsten Konkel, Thorsten Konkel | 07.09.2017, 08:29 Uhr

Landkreis Oldenburg/Ganderkesee/Harpstedt. Aufgrund von fehlenden Pflegefachkräften muss die Heimaufsicht des Kreises schon jetzt immer wieder in einigen der insgesamt 28 im Kreis ansässigen Alten- und Pflegeeinrichtungen Aufnahmestopps anordnen. Das hat Bodo Bode, Sozialdezernent des Landkreises Oldenburg, am Mittwoch dieser Zeitung gegenüber erklärt.

Noch lange bevor die Generation „Babyboomer“ rund um den geburtenstärksten Jahrgang 1964 pflegebedürftig wird und auf Altenheimplätze drängt, droht der „Pflegenotstand“. 1700 Pflegeplätze gibt es derzeit kreisweit, trotz steigender Nachfrage können nicht alle vergeben werden. Denn längst ist es zu traurigen Routine geworden, dass die Pflegeeinrichtungen aufgrund nicht erfüllter Fachkraftquoten keine neuen Bewohner mehr aufnehmen dürfen. „Der jüngste Aufnahmestopp ist erst Ende letzten Monats aufgehoben worden“, sagt Bode.

Heimaufsicht verhängt Aufnahmestopps

Bis zu sechs Mal pro Jahr kommt es demnach vor, dass die Heimaufsicht bei fehlendem Personal mit den Einrichtungen Vereinbarungen trifft, ihre Belegung selbst entsprechend zu steuern, oder den Aufnahmestopp gar „von Amts wegen“ anordnet. Gesetzlich vorgeschrieben ist in Niedersachsen eine Fachkraftquote von 50 Prozent, von je zwei Beschäftigten muss jeweils eine Person examinierte Fachkraft sein. Angesichts fehlender Pflegefachkräfte im Land Bremen hat der Bremer Landesvorsitzende des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Sven Beyer, bereits eine Aufweichung vorgeschlagen.

Gerangel um die Fachkräftequote

„Eine 50-prozentige Fachkraftquote ist wissenschaftlich nicht unterfüttert“, wird er in einer aktuellen Pressemitteilung des bpa zitiert. Um dieser sich aufgrund des demografischen Wandels weiter abzeichnenden Schieflage entgegenzuwirken, beschäftigt sich die Gesundheitsregion Landkreis Oldenburg laut Bode bereits intensiv mit Ideen zur Gewinnung von Ausbildungskräften für Pflegeberufe. So gibt neben der Beteiligung am „Regionalen Fachkräftebündnis Nordwest“, dass das Gebiet der Landkreise Oldenburg, Ammerland, Cloppenburg, Diepholz, Osnabrück und Vechta sowie der kreisfreien Städte Delmenhorst, Oldenburg und Osnabrück umfasst, bereits eine eigene Initiative der Gesundheitsregion.

Schüler in Pflegeberufe bringen

Seit Beginn des Schuljahres 2016/2017 besteht an der BBS Wildeshausen eine Arbeitsgruppe mit Schülern der Hauptschule Wildeshausen. Im zweiten Halbjahr dieses Schuljahres sind Schüler der Realschule Wildeshausen hinzugekommen. „An mehren Stunden pro Woche werden den jungen Menschen in Theorie und Praxis verschiedene Berufsfelder der Pflege vorgestellt“, erklärt Petra Debbeler, Koordinatorin für die Gesundheitsregion. Komplementiert wird der Unterricht durch den Besuch verschiedener Pflegeeinrichtungen.

Schülerpraktika in Ganderkesee und Harpstedt

Ihr Praktikum machen die Schüler unter anderem im Alten- und Pflegeheim im Wichernstift in Ganderkesee-Elmeloh oder im DRK-Seniorenzentrum in Harpstedt.

Neuer Vorschlag: „Telepflege“

Dort erprobt die DRK-Einrichtung seit einigen Monaten mit der in Wittmund ansässigen Vita-Akademie ein Zukunftsprojekt, die „Telepflege“. Das gemeinsame Ziel ist die Entwicklung, Erprobung und Auswertung eines modernen, technisch unterstützten Pflegemodells, um die Gesundheits- und Pflegedienstleistungen im ländlichen Raum sicherzustellen und zu verbessern.

Neues Auto oder Pizza zum Gehalt

Um dringend benötigte Pflegefachkräfte zu werben, greifen auch Heimbetreiber in der Region inzwischen schon tief in die Trickkiste. Neben gestiegenen Vergütungsangeboten für Neukräfte gehören inzwischen auch „Benefits“, Zusatzangebote wie Pizzatage oder sogar privat zu nutzende Firmenwagen dazu.