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Maststandorte zerredet Kreis Oldenburg: Wenig Hoffnung auf schnellen Mobilfunk

Von Reiner Haase | 27.11.2018, 09:17 Uhr

Mobilfunklöcher machen Autobahnen und Kreisstraßen zu kommunikativen Schlaglochpisten: Wo sich die Versorgung im Kreis Oldenburg verbessert und wo nicht, legt jetzt ein Gutachter offen.

Autofahrer kennen das: Sie sind im ländlichen Bereich unterwegs, telefonieren mit dem Mobiltelefon – selbstverständlich über die Freisprechanlage – und plötzlich ist vom Gesprächspartner nichts mehr zu hören. „Es gibt im Landkreis Oldenburg Funklöcher, auf Kreisstraßen, aber auch auf den Autobahnen“, erklärt Kai Seim das sattsam bekannte Phänomen.

Große Lücken in Hatten und Harpstedt

Besonders häufig werde darüber in der Gemeinde Hatten und in der Samtgemeinde Harpstedt geklagt, berichtet der Gutachter, der die Mobilfunknetze im Auftrag des Landkreises Oldenburg unter die Lupe genommen hat.

Sein Fazit überrascht: „So schlimm ist das gar nicht mit den weißen Flächen auf der Abdeckungskarte.“

Seims Büro hat in den letzten Monaten die Mobilfunknetze in 15 Landkreisen im westlichen Niedersachsen, vor allem im Weser-Ems-Bereich, auf den Prüfstand gestellt.

Massive Unzufriedenheit der Nutzer

Grundlage sei die massive Unzufriedenheit der Nutzer gewesen. Für die Expertise wurden bei den drei Versorgern Telekom, Telefonica und Vodafone Informationen über die jeweilige Netzdichte eingeholt. Außerdem waren die Mobilfunknutzer aufgerufen, von ihnen aufgespürte Funklöcher zu melden. „Wir wollten weiße Funkflächen und sinnvolle neue Standorte für Masten und Antennen ermitteln und klären, was zu tun möglich ist“, berichtete Seim jetzt im Struktur- und Wirtschaftsausschuss des Kreistags. „Der Landkreis Oldenburg steht mittelprächtig normal da“, sagte der Gutachter.

Hoffung LTE-Frequenzen

„Mit LTE ist alles viel besser geworden als vorher“, berichtete Seim. Die Telekom habe eine „sehr weitgehende Abdeckung“, habe „sehr viel gemacht in der Fläche“. Vodafone sei „massiv dabei aufzurüsten“. „Telefonica, das ist nicht so doll“, ergänzte er. Für die anstehende Versteigerung der Mobilfunknetze mit 5G-Standard sagte er voraus, dass nur zwei Anbieter im Rennen bleiben.

Derzeit werde am 98-Prozent-Abdeckungsgrad gearbeitet, der mit LTE im 4G-Standard erreichbar und vorgeschrieben ist. Der geforderte Abdeckungsgrad rücke die dichter besiedelten Gebiete in den Fokus der Anbieter. „Flächendeckendes 4G wird es nicht geben, es sei denn, der Staat schließt die Finanzierungslücken“, so Seim. Dem Gutachter zufolge ist es auch Kirchturmpolitik zu verdanken, dass über Funklöcher geredet wird. Vor Ort würden Maststandorte zerredet und verhindert. „Irgendwann gibt es nur noch Turm an Turm?“, fragte die SPD-Abgeordnete Andrea Oefler. „So ist die Physik“, antwortete Gutachter Seim.

Auch Risiken für Gesundheitsversorgung

Katja Radvan (SPD) stellte klar, dass künftig nicht nur „das Blaulicht“, also Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst, lückenlosen Zugang zum Internet brauchen, sondern im ländlichen Raum auch die mobile Gesundheitsversorgung.